Pro-Atom-Staat Japan untersucht zu langsam – 41,8 Prozent Schilddrüsenanomalien besorgniserregend – internationale Untersuchung gefordert

Wien, 27.2.2013: Die Internationale Atomenergieagentur IAEA unter Yukiya Amano hat endlich eine internationale Zusammenarbeit bei der Abwrackung der Reaktorruinen von Fukushima vorgeschlagen. GLOBAL 2000 hatte nach einem Lokalaugenschein im Dezember 2012 gewarnt, dass die japanischen Behörden und die Betreiberfirma Tepco offenkundig völlig überfordert mit dieser Aufgabe sind. Reinhard Uhrig, Atomexperte von GLOBAL 2000, weist auf einen weiteren Aspekt hin, der internationaler Anstrengung bedarf: „Um die Bevölkerung nicht ähnlich wie in Tschernobyl als uninformierte und untherapierte Opfer zurückzulassen, muss es zu internationaler Unterstützung der japanischen Gesundheitsbehörden kommen.“

In der japanischen Präfektur Fukushima werden auch bald zwei Jahre nach Beginn der Nuklearkatastrophe immer noch nur tranchenweise Kinder und Jugendliche auf Schilddrüsenanomalien untersucht. Der Trend, der sich bereits bei den ersten Gruppen 2011 zeigte, hat sich auch nach Untersuchung von 133 089 Kindern und Jugendlichen bestätigt: 55 592 oder 41,8 Prozent der Untersuchten hatten Zysten und Knoten in den Schilddrüsen, teilweise bis zu einem Durchmesser von über 2 cm. Die jüngsten Untersuchungsergebnisse zeigen ebenfalls eine Zunahme der Schilddrüsen-Anomalien im Vergleich zu den 2011 untersuchten Kindern, und die Proportion der größeren Anomalien steigt ebenfalls.

Vergleiche mit westlichen Kontrollgruppen legen nahe, dass die in der Präfektur Fukushima nachgewiesenen Anomalien besorgniserregend weit über dem Normalwert liegen: „In ‚normalen‘ Schilddrüsenscreenings liegen die Raten der Schilddrüsenanomalien bei 1,5–3 Prozent. Die in der betroffenen Region auftretenden Werte übersteigen dies um das Dreizehn- bis Siebenundzwanzigfache“, sagt Reinhard Uhrig. Weiterhin gibt es aber keine flächendeckenden Ergebnisse von japanischen Kontrollgruppen.

Direkt nach Beginn der Nuklearkatastrophe von Fukushima wies GLOBAL 2000 darauf hin, dass die Ausgabe von Tabletten mit stabilem Jod, das die Aufnahme von radioaktivem Jod in der kindlichen Schilddrüse blockieren kann, in der Region zu zögerlich oder gar nicht erfolgte. Grund dafür waren die aufgrund des Erdbebens und Tsunamis zusammengebrochenen Kommunikationswege. Die regionalen Beamten wollten nicht ohne Anweisung der Zentralregierung handeln. „Diese Verzögerung hat sicherlich zu massiven Schädigungen der Schilddrüsen von Kindern und Jugendlichen in der Region geführt“, sagt Uhrig. „Die Argumentation der japanischen Behörden, wonach die jetzt auftretenden Symptome ‚zu früh‘ für einen Wirkzusammenhang mit der Nuklearkatastrophe seien, erinnern an den sowjetischen Umgang mit der Tschernobyl-Katastrophe: Es kann nicht sein, was nicht sein darf.“

GLOBAL 2000 fordert, rasch die Weltgesundheitsorganisation WHO mit der Untersuchung von Kontrollgruppen in Japan zu beauftragen und die Wirkzusammenhänge zwischen anderen radioaktiven Stoffen wie Xenon-133 zu untersuchen, die bei den Reaktorkatastrophen in der größten zivil freigesetzten Menge verbreitet wurden. „Wir fordern die Behörden auf, mittels Feinnadelbiopsie die auffälligen Schilddrüsen auf Krebs zu untersuchen – und im schlimmsten Fall zu entfernen, um eine Verbreitung des Krebs zu verhindern“, sagt Uhrig abschließend.

Weblinks: Tenth Report of the Fukushima Prefecture Health Management Survey www.fmu.ac.jp/radiationhealth/results/

www.pref.fukushima.jp/imu/kenkoukanri/250213siryou2.pdf