Hartberg/Steiermark, am 11. November 2014: „Mahlzeit – the story of men and meat“ ist die neue Multivisionsschau der österreichischen Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000, die eines der aktuellsten und drängendsten Themen der Nachhaltigkeitsdebatte aufwirft: die Frage unseres eigenen und des globalen Fleischkonsums. Weltweit steigt der Fleischverbrauch rapide an. Sowohl in reichen Staaten wie Österreich als auch in Schwellenländern wächst die Nachfrage – und natürlich das Angebot. Mittlerweile dienen rund 80 Prozent der globalen Ackerfläche der Fleischproduktion. Das hat weitreichende Folgen: für die Bevölkerung armer Länder, die Naturreserven unseres Planeten und unsere Gesundheit.

Ab 19.11. tourt die rund 30minütige GLOBAL 2000 Multivision, die mit Unterstützung von Partnern wie dem Land Oberösterreich, Schirnhofer und ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt entstanden ist, mindestens drei Jahre durch Österreichs Schulen und wird Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 Jahre Themen und Problematiken näher bringen, die in direktem Zusammenhang mit unserem Fleischkonsum stehen: wie Ernährungssicherheit, Futtermittel, Transport, ökologischer Fußabdruck, Klima, Regenwald, Tierhaltung, Gesundheit und Gentechnik.

Der Film ruft Staunen hervor und weckt Neugier, zeigt Zusammenhänge auf und lässt dabei ein neues Bild der Welt entstehen: eine Welt, die nicht mehr unerschöpflich ist und in der wir auch durch die Produktion unserer Nahrungsmittel an Grenzen stoßen. Interessante Fakten sind beispielsweise:

  • Es müssen durchschnittlich mehr als fünf Kalorien Pflanzenfutter an ein Tier verfüttert werden, um eine Kalorie tierischer Produkte wie Fleisch, Milch oder Käse zu gewinnen. Das Getreide von einem Hektar Land in Österreich liefert also genug Kalorien, um etwa 25 Menschen ein Jahr lang zu ernähren. Wird das Getreide an Tiere verfüttert, kann der gleiche Hektar nur mehr etwa fünf Menschen ernähren.
  • In den letzten 50 Jahren hat sich die Anzahl der Menschen weltweit mehr als verdoppelt, der Konsum von Fleisch zugleich aber mehr als vervierfacht. Was in den wohlhabenden Ländern begann, setzte in den Schwellenländern fort. Allein in China hat sich der Fleischkonsum in nur 40 Jahren verzehnfacht.
  • Die Haltung und Fütterung der Nutztiere beansprucht etwa 80 % der gesamten landwirtschaftlichen Fläche der Erde. Dabei liefert sie aber weniger als ein Fünftel der Kalorien für die menschliche Ernährung. Futter für die industrielle Massentierhaltung steht damit in Flächenkonkurrenz zur menschlichen Nahrung. 
  • Die Viehwirtschaft verursacht fast ein Viertel aller globalen Treibhausgase. Damit trägt sie etwa so viel zum Klimawandel bei wie der gesamte weltweite Verkehr.
  • In Nord- und Süd-Amerika sind ein Großteil des angebauten Sojas gentechnisch verändert - diese Form der industriellen Landwirtschaft hat negative Effekte auf die Umwelt und die Bevölkerung vor Ort. Viele Millionen Tonnen des Sojas kommen als Tierfutter nach Europa und auch nach Österreich. In der EU wird mehr als 30-mal so viel Soja verfüttert, als in Europa selbst angebaut wird.
  • Gemessen am ökologischen Fußabdruck beansprucht die Menschheit heute schon um die Hälfte mehr, als der Planet Erde bereitstellen kann. Die Ernährung – mit allem Drum und Dran – verursacht bei einem/r durchschnittlichen ÖsterreicherIn fast ein Drittel des persönlichen Fußabdrucks. Beim Ernährungsfootprint geht der größte Anteil also auf das Konto von Fleisch und tierischen Produkten.
  • In Summe wird etwa ein Drittel aller Nahrungsmittel in Europa nie gegessen, sondern gleich zu Abfall.
  • Jeden Tag verlieren 180 Millionen Tiere ihr Leben, um den Fleischhunger der Menschen zu stillen.
  • Ein/e ÖsterreicherIn verzehrt durchschnittlich 65 kg Fleisch im Jahr. Fleischverzehr-Empfehlungen für den Menschen liegen zwischen 300 und 600 Gramm pro Woche. Also weniger als die Hälfte, als tatsächlich bei uns verzehrt wird.

„Erwachsene sollten maximal 600 Gramm Fleisch pro Kopf und pro Woche zu sich nehmen, kleine Kinder etwa maximal 30 Gramm täglich, Jugendliche maximal 70 Gramm pro Tag“, so Assoz.-Prof. DI Dr. med. Hans-Peter Hutter, Vorstand ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt: „Überhaupt keine Frage: Wir essen zu viel - vor allem Fleisch und Fleischprodukte. Das ist sicher nicht gesund und macht überdies 'keine gute Figur'. Dabei ist es eigentlich leicht: Etwas weniger den 'Fleischtiger raushängen lassen' und bewusster mit dem Fleischkonsum umgehen. Von Gemüse kann man natürlich durchaus mehr als heute im Durchschnitt gegessen wird zu sich nehmen - selbst wenn es im Allgemeinen nicht so üblich ist.“ Leonore Gewessler, Geschäftsführerin GLOBAL 2000, ergänzt: „Wir empfehlen also für Nicht-Vegetarier oder -Veganer: Zurück zum Sonntagsbraten! Hin zum bewussten Fleischkonsum, am besten mit Fleisch aus der Region und aus biologischer Landwirtschaft vom artgerecht gehaltenen Tier – das ist gut für Mensch, Tier und Umwelt.“

Ziel aus Sicht von GLOBAL 2000 ist es, die Landwirtschaft und auch die Viehwirtschaft zunehmend in Bio-Qualität zu gestalten. Auf dem Weg in diese Richtung begrüßt GLOBAL 2000 auch alle Maßnahmen und Vorhaben, die unterhalb der strengen Bio-Richtlinien eine Steigerung der Qualität in der Produktion und beim Produkt bewirken. So beispielsweise auch das Projekt „ALMO“ des Fleisch- und Wurstspezialisten aus der Ökoregion Kaindorf Schirnhofer. Karl Schirnhofer dazu: „Ein gemeinsamer Weg zwischen NGOs und der Wirtschaft ermöglicht echte Veränderungen. Deshalb arbeiten wir proaktiv mit Organisationen wie GLOBAL 2000 zusammen. Auch wir wollen zu der Lösung der Probleme bei Umwelt- und Klimathemen unseren Beitrag leisten und die Konsumenten an bewussten Fleischkonsum heranführen. Das Fleisch soll hochwertig sein und nachhaltig hergestellt werden. Unsere ALMO-Almochsen sind ein echtes Positivbeispiel. Die ALMOs werden artgerecht auf heimischen Almen gehalten, werden mit Gras und Heu gefüttert. Dadurch, dass die Tiere regional weiterverarbeitet werden, sind die Transportwege kurz. Sie verursachen nachweislich weniger Treibhausgas-Emissionen als ein konventionell gemästeter Stier oder ein brasilianisches Rind.“ Eine andere Möglichkeit: Als Eiweiß-Ersatz-Produkte können beispielsweise auch Soja-Produkte konsumiert werden.

Zur Multivisionsschau:
Die Multivison gibt es seit den 90er Jahren und fördert das Wissen der SchülerInnen und deren kritische Haltung gegenüber Konsumprodukten. Die Jugendlichen erhalten neben dem Film wissenschaftlich und didaktisch aufbereitete Materialien zum Thema und damit einen anschaulichen Einblick in die Weltwirtschaft.

Buchbar ist die etwa 70- bis 80-minütige Show für Schulen unter: schule@multivision.at,
die Kosten belaufen sich auf etwa 4 bis 5 Euro pro SchülerIn.

Dank an die Partner der GLOBAL 2000 Multivisionsschau:
Danke an Schirnhofer, das Land Oberösterreich und ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt - ohne die das Projekt nicht so erfolgreich umgesetzt werden hätte können!

Multivisionsschau „Mahlzeit – the story of men and meat“:
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