AGES soll nicht nur testen, sondern auch handeln – auch das Gesundheitsministerium ist gefordert

Wien (27. März 2012). Wie die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 kürzlich aufdeckte, befinden sich auch in österreichischem Hühnerfleisch Antibiotika resistente Keime. In einer Reaktion betonte die AGES (Österreichische Agentur für Ernährungssicherheit), dass man einen der beiden Keime (ESBL) bereits selbst mehrmals nachgewiesen habe. Für Heidemarie Porstner, Lebensmittel- und Landwirtschaftsexpertin bei GLOBAL 2000, ist dies nicht ausreichend: „Wie kann es sein, dass wir selbst in einem geringen Stichprobenumfang in drei von sechs Proben sehr wohl den MRSA-Keim finden konnten, während die AGES auf ihrer Homepage erklärt, MRSA in den letzten drei Jahren nicht nachgewiesen zu haben?“ Außerdem ist die alleinige Erklärung, dass auch sie testen, für GLOBAL 2000 inakzeptabel: „Wenn solche Keime in großer Anzahl nachgewiesen werden, besteht Handlungsbedarf. Es liegt hier eine potentielle Gefährdung der BürgerInnen vor. Es ist die Aufgabe von Gesundheitsministerium und AGES, hier der Gefahr einen Riegel vorzuschieben.“

Wie gefährlich diese Keime sind, bestätigt auch OA Prof. DI Dr. med. Hans-Peter Hutter (Sprecher der ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt): „Während man sich in ärztlichen Bereichen stark bemüht, dass bei Verschreibungen von Antibiotika viel vorsichtiger und selektiver umgegangen wird, scheint es bei Tierhaltungen einen behördlichen und politischen Freibrief zu geben.“ Das Problem: In der Tiermedizin werden Antibiotika eingesetzt, die auch in der Humanmedizin angewendet werden. Durch die häufige Verabreichung in der Massentierhaltung werden die Keime aber resistent, das bedeutet, Infektionen, die durch diese Keime ausgelöst werden, sind mit einer bedeutenden Gruppe von Antibiotika nicht mehr behandelbar. Hutter betont: „Aus ärztlicher Sicht ist es unverantwortlich, dass es durch entsprechende Tierhaltungen zu einer Vermehrung von MRSA-Keimen kommt. Gerade die Erfahrung im medizinischen Alltag zeigt, wie schwierig es ist, solche Infektionen zu bekämpfen und solche Keime zu eliminieren.“

Neben den von GLOBAL 2000 getesteten Keimen gibt es noch zahlreiche andere Bakterien, die eine Resistenz in Bezug auf Antibiotika entwickelt haben. Porstner erzählt: „Im Zusammenhang mit der Geflügelzucht wird im jährlichen Bericht der AGES dazu auch der Campylobacter angeführt. Im Jahr 2011 wurden bei Erhebungen der resistenten Keime bei Menschen festgestellt, dass in 65 Prozent der Proben die Campylobacter-Keime auf das Antibiotikum Ciprofloxacin resistent waren.“ Campylobacter kann schwere Durchfallerkrankungen auslösen und wird in schweren Fällen auch mit dem Antibiotikum Ciprofloxacin behandelt. Das Antibiotikum Ciprofloxacin wirkt vor allem gegen Magen-Darm-Infekte, Entzündungen im Außenohr, Blasenentzündungen, Atemwegsinfekte. „Auch hier stellt sich die Frage: Wenn dieser Keim bereits in einem so hohen Maße Restistenzen aufweist, warum wurde dann nicht schon längst etwas unternommen, um den Einsatz der Antibiotika zu reduzieren?“, fragt Porstner. „GLOBAL 2000 fordert eine umgehende Evaluierung des Hühnerfleischskandals seitens der AGES und des Gesundheitsministeriums. Es kann nicht sein, dass eine Agentur für Ernährungssicherheit scheinbar nicht an Maßnahmen, die zu selbiger führen, interessiert ist.“

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