Wien, am 9. November 2015 – In einem heute präsentierten Bericht, warnt die Weltbank davor, dass durch den Klimawandel bis zum Jahr 2030 mehr als 100 Millionen Menschen in Armut geraten könnten. Die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 sieht nun Umweltminister Andrä Rupprechter gefordert, den Beitrag zum Green Climate Fund zu erhöhen, der für die Unterstützung von Entwicklungsländern eingerichtet wurde: „Österreich muss seinen fairen Beitrag leisten und darf Menschen in Not nicht allein lassen! Durch unsere Emissionen sind wir mitverantwortlich für die Folgen des Klimawandels. Wir dürfen nicht zusehen, wie der Klimawandel, den jahrzehntelangen Kampf gegen die Armut unterminiert.“ Konkret fordert GLOBAL 2000, dass Österreich 100 Mio. Euro als Einmalbetrag für die Erstkapitalisierung des Green Climate Fund bereitstellt und weitere 80 Mio. Euro aus öffentlichen Mitteln, die jährlich in Klimaschutzprojekte fließen sollen. Vor einem Jahr hat Umweltminister Rupprechter 25 Mio. US-$ (ca. 20 Mio. Euro) zugesagt und eine Verdoppelung des Beitrags für heuer in Aussicht gestellt. Darüber ist es aber zuletzt still geworden.

Weltbank: Klimawandel verschärft Armut durch Naturkatastrophen, Krankheiten und Ernteausfälle

In ihrem Bericht hat die Weltbank vor allem drei Faktoren berücksichtigt, durch die der Klimawandel Armut verschärft: Die Häufung von Naturkatastrophen, die Zunahme von Infektionskrankheiten und Ernteausfälle. Die Berechnungen gelten als Untergrenze, weil Interaktionen von Folgewirkungen und indirekte Effekte des Klimawandels nicht berücksichtigt wurden. Die Weltbank erwartet, dass durch den Klimawandel schon bis 2030 Ernteausfälle von fünf Prozent eintreten werden. Dadurch steigen die Nahrungsmittelpreise, was Spekulationen mit Nahrungsmitteln erhöht und arme Menschen besonders hart trifft. Zuletzt bedeutete der Anstieg der Nahrungsmittelpreise im Jahr 2008 eine Zunahme der hungernden Weltbevölkerung um 100 Mio. Menschen. Bis 2080 stehen Ernteausfälle von 30 Prozent im Raum. Die Weltbank berücksichtigt in ihren Berechnungen bereits Fortschritte in der landwirtschaftlichen Produktivität.

150 Millionen zusätzliche Malariafälle bis 2030

Besonders betroffen sind arme Menschen auch bei Überschwemmungen, da sie meist in Gebieten wohnen, die schlechter abgesichert sind und ihr Hab und Gut meist nicht auf der Bank liegt, sondern vollständig betroffen ist. Zudem sind arme Menschen besonders von der Zunahme von Infektionskrankheiten, wie Malaria und Durchfallerkrankungen, betroffen, unter anderem weil sie sich keine Krankenversicherung leisten können oder weil sie schlechter ernährt sind. Die Weltbank erwartet, dass zusätzlich 150 Mio. Menschen bis 2030 an Malaria erkranken werden. Durch Unterernährung drohen zusätzlich 7,5 Mio. Kinder an Unterentwicklung zu leiden.

Die Weltbank zeigt dabei Klimafolgen auf, die durch die bisherigen Emissionen ausgelöst werden. Wird nicht gegengesteuert, dann drohen in Zukunft noch weit schlimmere Szenarien. GLOBAL 2000-Klimasprecher Johannes Wahlmüller sieht nach dem aufrüttelnden Bericht die Politik gefordert: „Wir hoffen, dass dieser Weltbankbericht die Politik auch in Österreich endlich wachrüttelt und zum Handeln bewegt. Wir müssen Verantwortung übernehmen, was bereits ausgelöste Klimaschäden anbelangt, und durch Emissionsreduktionen eine weit schlimmere Krise verhindern. Wir dürfen nicht zusehen, wie Not und Elend durch den Klimawandel weltweit um sich greifen!“

Hier geht' s zum Weltbank-Bericht