Neubewertung der Hormonchemikalie BPA überfällig – BM Stöger muss Aktionsplan für Österreich vorlegen

(Wien, 16. Juli 2010). Die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 kritisiert aufs Schärfste, dass die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) die Neubewertung der gefährlichen Hormonchemikalie Bisphenol A (BPA) nun bis September verzögert. „In Anbetracht der wissenschaftlichen Beweislage ist das ein Skandal. Die EFSA verzögert die Entscheidung auf Kosten unserer Gesundheit“, empört sich Daniela Hoffmann, Chemieexpertin von GLOBAL 2000.

Die EFSA ist dafür zuständig, Materialien und Substanzen, die mit Lebensmittel in Kontakt kommen, auf ihr Risiko für die menschliche Gesundheit zu bewerten. Aufgrund eines nationalen Verbots von BPA in Kinderprodukten in Dänemark und zahlreicher neuer wissenschaftlicher Studien stand am 8. Juli ein neuer Bericht zur Sicherheit von BPA in Lebensmitteln an. Das EFSA-ExpertInnengremium konnte sich jedoch auf keine einheitliche Meinung einigen und verschob den endgültigen Entscheid über maximal erlaubte Aufnahmemengen auf September. „Die EFSA kann sich offensichtlich nicht aus der Umarmung der Industrie lösen. Der Grenzwert ist - wie auch das Deutsche Umweltbundesamt festgestellt hat - 2000 mal zu hoch angesetzt, weil sich die EFSA ausschließlich auf zwei Studien bezieht, die von der Plastikindustrie finanziert wurden“, so Hoffmann. Eine Fülle an wissenschaftlichen Studien zeigt die negativen gesundheitlichen Folgen, die mit der Aufnahme von BPA in Verbindung gebracht werden. Fruchtbarkeitsbeeinträchtigung bei Männern und Frauen, Entwicklungsstörungen bei Kindern, Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes Typ 2 sind nur einige der gesundheitlichen Folgeerscheinungen der vermehrten Aufnahme von BPA.

BPA -Aktionsplan für Österreich gefordert

GLOBAL 2000 fordert, dass Bundesminisinter Stöger umgehend einen Aktionsplan zur Reduktion von BPA entwickelt und in Kraft setzt. Nach dem Vorsorgeprinzip und bezugnehmend auf die zahlreichen wissenschaftlichen Studien zum Gefahrenpotential von BPA, ist es den europäischen Nationalstaaten möglich, ihre Bevölkerung vor der gefährlichen Chemikalie zu schützen. „Österreich muss hier sofort tätig werden, denn Menschen kommen täglich mit BPA in Kontakt. Vor allem müssen Produkte für Babys und Kleinkinder BPA-frei werden, denn diese reagieren besonders empfindlich auf hormonelle Umweltgifte“, fordert Hoffmann. BPA ist mit einer jährlichen weltweiten Produktion von 3,8 Millionen Tonnen eine der meist produzierten synthetischen Chemikalien. Polykarbonatkunststoffe und Epoxidharze, die im wesentlichen Polymere, also eine Aneinaderkettungen, von BPA-Molekülen sind, kommen vielfach in Lebensmittelverpackungen zum Einsatz. Über diesen Weg gelangt BPA auf unsere Teller und schlussendlich in unseren Körper. 

Rückfragehinweis: GLOBAL 2000 Presse: Jens Karg, Tel.: 0699/14 2000 20, Simonne Baur, Tel.: 0699/14 2000 23, E-Mail: presse@global2000.at