Studie belegt: Industriestaaten tragen indirekte Verantwortung für 30 Prozent des chinesischen Emissionszuwachs

Kopenhagen/Wien (18. Dezember 2009). In der Schlußphase der Klimaverhandlungen in Kopenhagen fordern Industriestaaten von China und Indien weitgehende verbindliche Emissionbeschränkungen. Die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 wertet dies als einen Versuch, die Schuld für die stockenden Verhandlungen auf dieses Länder abzuwälzen. „Die Industriestaaten bauen bereits jetzt eine Argumentationslinie für einen ungenügenden Abschluss der Verhandlungen auf. Doch Ausreden werden uns nicht helfen, die notwendigen Klimaschutzmaßnahmen zu treffen. Der Versuch von der eigenen Verantwortung und den völlig ungenügenden Vorschlägen abzulenken, wird es uns nicht ermöglichen, den Temperaturanstieg auf unserem Planeten unter zwei Grad zu halten“, so Manuel Graf, Klimasprecher von GLOBAL 2000.

In der Verhandlungsposition der Industriestaaten wird nicht berücksichtigt, dass in einer globalisierten Wirtschaft die Industreistaaten mehr und mehr treibhausgasintensive Produktion in andere Länder ausgelagert haben, nicht zuletzt nach China. Damit wird auch der Ausstoß von Treibhausgasen ausgelagert und verschwindet aus der Bilanz von EU-Staaten wie Österreich. Ein Computer `made in China', der in Österreich verwendet wird, belastet die Chinesische Klimabilanz . Soja, das an Österreichs Rinder verfüttert wird, belastet nicht die österreichische sondern die brasilianische Klima-Bilanz. Die Berechnungen der Pro-Kopf-Emissionen in den Industriestaaten sind somit nicht zutreffend, solange deren Importe außen vor bleiben. Die durch Österreich verursachten Emissionen sind um etwa 30 Prozent höher, als es in den offiziellen Statistiken dokumentiert wird. Das geht aus einer OECD-Studie hervor, die auf der Basis von Input-Output Modellen zeigt, dass die CO2-Emissionen der OECD Staaten, berechnet nach dem Konsum im Jahr 2000, insgesamt um 61,1 Prozent höher waren, als die auf herkömmliche Weise ermittelten Emissionen. Umgekehrt belegt eine 2009 erschienen Studie der Universität Cambridge dass rund 30 Prozent des Anstiegs der chinesischen Treibhausgasemissionen durch westlichen Konsum mit verantwortet wird, während das Bevölkerungswachstum in China gerade nur ein Prozent ausmacht.

Die Industriestaaten sind für rund 80 Prozent der historischen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Die UmweltschützerInnen fordern deshalb, dass diese Länder als Erste und weitgehend handeln müssen. Österreichs Pro-Kopf-Emission sind immer noch doppelt so hoch wie die von China, mindestens sieben Mal höher als die in Indien und fast 10 Mal so hoch wie die in der Sub-Sahara Afrikas. Noch viel größer sind die Unterschiede laut Berechnungen von GLOBAL 2000 bei der Betrachtung des Pro-Kopf-Einkommens.

Es ist wissenschaftlich belegt, dass die Industrieländer ihre Emissionen um mindestens 40 Prozent bis 2020 reduzieren müssen, um eine realistische Chance zu haben, die Erderwärmung unter zwei Grad zu halten. Zusätzlich müssen die Industriestaaten die Entwicklungsländer finanziell und technologisch bei deren Klimaschutzmaßnahmen unterstützen. „Es ist unerhört, den am stärksten betroffenen Entwicklungsländern Verzögerung und Ambitionslosigkeit vorzuwerfen, wenn man selbst als Verursacher nicht annähernd den eigenen historischenVerpflichtung gerecht werden will. Ländern, die massiv vom Klimawandel bedroht sind, können keinen faulen Kompromiss akzeptieren. Sie pochen zu Recht auch wirksamen Klimaschutz der Industriestaaten“, so Graf.

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Weitere Informationen: GLOBAL 2000 Presse: Jens Karg, Tel.: 0699/14 2000 20, E-Mail: presse@global2000.at