PRESSEINFORMATION

Stadt Wien und Umland müssen jetzt konkrete Schritte für Anpassung an Klimawandel setzen

Wien (17. Juli 2008). Die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 präsentierte heute im Rahmen einer Pressekonferenz ein alarmierendes Klimaszenario für den Ballungsraum Wien. Eine Studie, die von ExpertInnen der Universität für Bodenkultur für GLOBAL 2000 erstellt wurde, zeigt auf, dass sich die Lebensbedingungen in Wien durch einen ungebremsten Klimawandel dramatisch verschlechtern. Vor allem Hitzewellen und Trockenheit werden der Wiener Bevölkerung zu schaffen machen. „Nur wenn jetzt konsequent in die Verringerung der Treibhausgasemissionen und in die Anpassung an die Klimaveränderung investiert wird, kann die Stadt auch in Zukunft ihre Qualität als Lebens- und Erholungsraum erhalten“, sagt Silva Herrmann, Klima- und Energiesprecherin von GLOBAL 2000.

Der Wiener Stadtkern ist durch zunehmende Hitze besonders betroffen, denn bebaute Gebiete heizen sich weit stärker auf als unbebaute. Der Unterschied kann bis zu sechs Grad betragen. Die Zunahme von Schlaf- und Gesundheitsproblemen, nicht zuletzt durch geringe nächtliche Auskühlung, belastet Kinder und ältere Menschen besonders. „Die Tage mit Kühlungsbedarf werden sich bis 2050 verdoppeln. Der bereits zu beobachtende Trend hin zu stromverschlingenden Klimaanlagen ist aber fatal: Er treibt den Klimawandel an und führt über die Abwärme der Anlagen zu einer weiteren Aufheizung des Stadtklimas“, warnt Herrmann. Gleichzeitig sind im Sommer zunehmend Stromausfälle zu befürchten: Niedrige Flußwasserstände beschränken die Stromerzeugung aus Wasserkraft und die Kühlung von kalorischen Kraftwerken ist auf kühles Flußwasser angewiesen. Der Kollaps des Energiesystems ist so vorprogrammiert. Eine weitere Auswirkung des Klimawandels ist die Zunahme der Niederschläge, vor allem im Winter. Häufigere Starkregen-Ereignisse und Gewitter lassen Auswirkungen auf die Verkehrsinfrastruktur befürchten. Intensive Regenfälle unterspülen beispielsweise Bahntrassen und machen diese instabil.

GLOBAL 2000 appelliert an die Stadt Wien und an die Umlandgemeinden, in einem gemeinsamen Prozess neben einer Klimaschutzstrategie auch unverzüglich eine Anpassungsstrategie zu erarbeiten und umzusetzen. In diesem gemeinsamen Programm müssen jene Maßnahmenschwerpunkte enthalten sein, die sowohl Klimaschutz als auch Klimawandel-Anpassung bewirken. So verringert beispielweise eine Verschattung von Büroräumen den Kühlbedarf und reduziert so Treibhausgase.

GLOBAL 2000 fordert daher folgende Anpassungs- und Klimaschutzmaßnahmen:

l Frühzeitige Anpassung von Baunormen und Berücksichtigung des erhöhten Kühlbedarfs.
l Überarbeitung des Klimaschutzprogrammes der Stadt Wien KLIP und Aufnahme von Anpassungsmaßnahmen.
l Ausweitung und Begrünung der autofreien Zonen. Dadurch wird der CO2-Ausstoß reduziert, es werden Flächen für zusätzliche Begrünung geschaffen und damit wird eine Verbesserung des Stadtklimas erzielt.
l Die Aufheizung der Innenstadt treibt die Menschen vermehrt in die Naherholungsgebiete. Damit diese „Klimaflüchtlinge“ nicht in einer endlosen Autoschlange verdursten, müssen die Grünräume rund um Wien besser an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden werden.
l Stopp der Versiegelung in Stadt und Umland, um den Abfluss bei Starkregenereignissen zu verbessern und die Schäden von Starkregenereignissen zu verringern.
l Förderung innovativer Projekte zur Senkung des Kühlenergiebedarfs ohne fossile Energieträger wie solare Kühlung, Regenwasserspeicher als Wärme- und Kältereservoirs oder begrünte Dächer.

GLOBAL 2000 Presse: Ruth Schöffl, 0699/14 2000 19 und Lydia Matzka-Saboi, Tel.: 0699/14 2000 26, E-Mail: presse@global2000.at
GLOBAL 2000 Klima- und Energiesprecherin: Silva Herrmann, 0699/14 2000 17