Industriestaaten haben Verantwortung und Vorbildwirkung: CO2-armer Wohlstand ist möglich

Wien/Kopenhagen (7. Dezember 2009) MitarbeiterInnen der Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 haben sich mit dem Zug nach Kopenhagen begeben, um ein wirksames Klimaschutzabkommen einzufordern. „Wir müssen jetzt handeln, denn der Klimawandel wartet nicht“, sagt Manuel Graf, Klimaexperte von GLOBAL 2000 und Mitglied der österreichischen Delegation in Kopenhagen, am Beginn der bis 18. Dezember dauernden Weltklimakonferenz. „Mit politischem Willen kann in diesen zwölf Tagen viel erreicht werden. Die großen Fragen der CO2-Reduktion, der Finanzierung und des Waldschutzes müssen rechtlich verbindlich und gerecht gelöst werden, denn sonst sind wir unwiderruflich auf dem Weg zu Wasserknappheit, Überschwemmungen, Klimaflüchtlingen und Wohlstandsverlust“, so Graf.

Österreich muss Vorbild werden

Die notwendigen Entscheidungen gibt die Klimawissenschaft klar vor. „Erstens: Die Industriestaaten müssen zeigen, dass ein CO2-armer Wohlstand möglich ist und ihre heimischen Emissionen bis 2020 um 40 Prozent und bis 2050 um 95 Prozent gegenüber 1990 reduzieren. Nur dann sind die Entwicklungsländer bereit, mit zu ziehen“, so Graf. „Diese Hausaufgabe kann nicht mit dem Zukauf von fragwürdigen Verschmutzungszertifikaten erfüllt werden. Je früher ein Land hingegen von veralteten, fossilen Strukturen weg kommt, desto besser wird es auf die zukünftigen Märkte und Herausforderungen ohne Öl, Kohle und Gas vorbereitet sein.“ GLOBAL 2000 fordert, dass dieser Grundsatz auch unmissverständlich in einem österreichischen Klimaschutzgesetz festgeschrieben wird.

Zweitens: Die Industriestaaten müssen ihrer Verantwortung als Verursacher nachkommen und die armen Länder beim Klimaschutz finanziell und technologisch massiv unterstützen – die EU muss jährlich mindestens 35 Milliarden investieren.

Drittens müssen die Wälder als CO2-Speicher geschützt werden. „Hier braucht es eine deutliche Verbesserung der österreichischen Position,“ so Graf weiter. „Denn für die eigenen Wälder will Österreich Regeln aufstellen, die bei globalem Maßstab völlig unzureichend sind.“

ÖsterreicherInnen fordern Klimaschutzmaßnahmen

Die österreichische Bevölkerung ist bei der Wahrnehmung des Klimawandels deutlich weiter als die Entscheidungsträger. So zeigt die neuste Eurobarometer-Umfrage der EU, dass ÖsterreicherInnen den Klimawandel als größtes Problem für die Welt betrachten, deutlich vor Wirtschaftskrise oder internationalem Terrorismus. Ganze 93 Prozent der Befragten sehen den Klimawandel als ziemlich großes Problem, 73 Prozent sogar als sehr großes Problem. In der Verantwortung sehen sie vor allem die Industrie. „Anstatt auf die Einflüsterungen der Industrie zu hören, sollte die demokratisch gewählte Bundesregierung endlich den Sorgen seiner BürgerInnen nachkommen und den Klimaschutz vorantreiben“, so Graf. Zahlreiche ÖsterreicherInnen werden Ende dieser Woche GLOBAL 2000 nach Kopenhagen folgen und am 12. Dezember mit rund 2 000 anderen AktivistInnen an der Aktion „The Flood“ teilnehmen und bilderstark gegen den Handel von Verschmutzungzertifikaten protestieren.

 

Weitere Informationen: GLOBAL 2000 Presse: Jens Karg, Tel.: 0699/14 2000 20, E-Mail: presse@global2000.at, Simonne Baur, Tel.: 0699 14 2000 23, Manuel Graf (in Kopenhagen): 0043 699 14 2000 41