GLOBAL 2000 begrüßt grundsätzlich die geplante Schließung des Schweizer AKWs Mühleberg - dass das AKW allerdings erst 2022 geschlossen werden soll, ist für Reinhard Uhrig, Atomexperte von GLOBAL 2000, zu spät. Uhrig relativiert die Aussagen des Schweizer Energiekonzerns BKW: "Dass es rund um 2020 zu einer Schließung von Mühleberg kommen sollte, stand schon lange fest - daher ist aus Sicht von GLOBAL 2000 die neue Energiestrategie kein durchschlagender Erfolg. Was uns allerdings freut: Das ursprünglich als Ersatz für Mühleberg geplante Atomkraftwerk wird nicht gebaut."

Dennoch: Die Schließung könnte viel früher stattfinden: "Das Beispiel Deutschland hat gezeigt, dass Hochrisikoreaktoren auch sofort geschlossen werden können. Mühleberg hat genau die gleiche Bauweise wie Fukushima, ist überaltet und steht mit nur 14 Kilometern Entfernung zur Hauptstadt Bern zu nahe an stark besiedeltem Gebiet. Passiert in Mühleberg oder Beznau ein grober Zwischenfall, ist es aus mit der Eidgenossenschaft."

Mühleberg ist seit 1971 am Netz - der direkt neben Bern gelegene Reaktor soll also nach Plan der Betreiber 51 Jahre lang laufen. Seit 1990 ist bekannt, dass ein Riss im Kernmantel des Reaktors mittlerweile bis zu 90 Prozent der Wandstärke erreicht. "Dieser Riss in den Schweißnähten wird notdürftig durch angepfuschte Zuganker stabil gehalten. Was im Falle eines Erdbebens oder eines Flugzeugabsturzes mit dem Fukushima-baugleichen Reaktor passieren würde, ist spätestens seit dem 11. März 2011 klar, als die Kernschmelzen in Japan begannen", erklärt Uhrig. "Wir fordern daher eine sofortige Stilllegung des Hochrisiko-AKWs - die ohnehin geringe Leistung des Schrott-Kübels könnte durch Energieeffizienz sofort ausgeglichen werden."

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