Europäisches Teilverbot für Neonicotinoide lässt Bienen hoffen

(Wien, 29.4.2013) Im Berufungsausschuss in Brüssel bekannte sich heute eine Mehrheit von 15 der europäischen Staaten zu dem von der EU-Kommission vorgeschlagenen, auf zwei Jahre befristete Teilverbot bienengiftiger Neonicotinoide. Österreich zählte allerdings zu jenen acht Ländern, die gegen ein Verbot der bienengiftigen Pestizide stimmten und damit das Zustandekommen einer qualifizierte Mehrheit von 74% der Stimmen verhinderten. Daher entscheidet nun die Kommission. Diese hatte bis zuletzt Entschlossenheit demonstriert, die Anwendung der drei Neonicotinoide Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam auf Mais, Raps, Sonnenblume und Baumwolle für zumindest zwei Jahre auszusetzen.

“Fast zwei Jahrzehnte nach den ersten in Frankreich festgestellten Bienenschäden durch Neonicotinoide ist das von der EU-Kommission angestrebte Teilverbot der Neonicotinoide ein historischer und wichtiger Schritt zur Rettung der Bienen in Europa”, freut sich Dr. Helmut Burtscher, Umweltchemiker von GLOBAL 2000. “Sogar Deutschland, die Heimat des Chemieriesen Bayer CropScience, der rund eine Milliarde Jahresumsatz durch Neonicotinoide macht, hat inzwischen die Notwendigkeit eines Neonic-Verbots zum Schutz der Bienen erkannt und nach Stimmenthaltung im ersten Wahlgang zu einem „Ja“ gefunden. Umso beschämender ist deshalb das NEIN des österreichischen Landwirtschaftsministers Berlakovich. Dass für diesen die Maximierung von Erträgen und kurzfristige wirtschaftliche Vorteile durch Monokulturen wichtiger sind als das Überleben der Bienen und die Artenvielfalt, wirft ein desaströses Licht auf ihn als Umweltminister und stellt auch seiner Landwirtschaftspolitik ein negatives Zeugnis aus.” GLOBAL 2000 fordert daher aufgrund seines Verhaltens in der Bienenproblematik den Rücktritt des Ministers.

Eine spannende Fortsetzung findet das Kapitel Bienenschutz und Neoncotinoide demnächst im österreichischen Parlament. Anträge der Grünen, der FPÖ und des BZÖ, die in den kommenden Wochen zur Abstimmung kommen, sehen Neonicotinoid-Verbote vor, die zum Teil weit über das heute in Brüssel abgestimmte befristete Teilverbot hinausgehen. Zuletzt hatten sich Vertreter aller Parlamentsfraktionen mit Ausnahme der ÖVP in der Öffentlichkeit für den Schutz der Bienen und der Artenvielfalt durch umfassende Verbote von Neonicotinoiden ausgesprochen. “Österreich steht also vor der einmaligen Chance, trotz der Blockadehaltung von Landwirtschaftsminister Berlakovich europäischer Vorreiter im Bienenschutz zu werden. GLOBAL 2000 appelliert daher an alle Parteien, aus Verantwortung für unsere Kinder und Enkelkinder, ein generelles österreichweites Verbot der bienengiftigen Neonicotinoide zu beschließen”, betont Burtscher abschließend.