Erste Gentech-Anbauzulassung in der EU seit 1998 – Kommissar Hahn hätte Zulassung verhindern können - BM Stöger muss umgehend Verbot verhängen

(Wien 2. März 2010) Erst eine Woche im Amt und schon zeigt der neue EU-Gesundheits- und KonsumentInnen-Kommissar John Dalli, wessen Interessen er vertritt. Trotz Ablehnung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der EU-Arzneimittelbehörde (EMEA) und der Bevölkerung, winkt die EU Kommission den gentechnisch veränderten Industrie-Erdapfel "Amflora" heute durch.

„Der neue EU-Kommissar setzt den Pro-Gentechkurs nahtlos fort. Gegen den Willen der europäischen Bevölkerung und entgegen aller wissenschaftlichen Warnungen will uns die Kommission mit den Gentech-Pflanzen zwangsbeglücken“, empört sich Jens Karg, Sprecher der Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000. Entsetzt sind die Umweltschützer darüber, dass der österreichische Kommissar Johannes Hahn die heutige Entscheidung hätte verhindern können, aber tatenlos blieb. „Es ist schon ein starkes Stück, dass unser Kommissar, kaum dass er in Brüssel weilt, die Interessen der Österreicherinnen und Österreicher vergessen hat“, so Karg.

Der Erdapfel „Amflora“ist vornehmlich zur Stärkeproduktion entwickelt worden, Verunreinigungen bei Speisekartoffeln können jedoch nicht ausgeschlossen werden. Deshalb schafft die gentechfreundliche EU-Kommission eine „Lex-BASF“. Zwar wird die Gentech-Knolle nicht als Lebens- oder Futtermittel zugelassen, doch wird, um den deutschen Chemie-Riesen vor Haftungsansprüchen und Rückrufaktionen zu bewahren, eine Verschmutzung in der Lebensmittelkette von bis zu 0,9 Prozent toleriert.

„Dies ist ein Kniefall vor der Biotech-Lobby. Man gibt zu, dass die Risikobewertung nicht ausreicht, um die Gentech-Pflanze für den Verzehr von Mensch und Tier zuzulassen und legalisiert dennoch, die Kontamination der Lebensmittelkette. Ein mieser Taschenspieler-Trick auf Kosten unserer Gesundheit“, so Karg. „Bundesminister Stöger muss zumindest für Österreich die Notbremse ziehen und umgehend ein nationales Anbauverbot erlassen“, fordert Karg.

Der Gentech-Erdapfel „Amflora“ enthält ein Resistenzgen für ein Antibiotikum, das auch medizinisch genutzt wird. Nach den derzeit gültigen EU-Richtlinien sollen jedoch keine Resistenzgene für medizinisch relevante Antibiotika in Gentech-Pflanzen genutzt werden. Sogar zwei Wissenschaftler der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) stellen in der Risikobewertung fest, dass der Transfer zwar "unwahrscheinlich"sei, sollte er aber doch stattfinden, wären die Folgen "bislang unabsehbar".

„Was hier stattfindet, ist reine Interessensvertretung zu Gunsten der Biotech-Industrie. Es gibt Kartoffel-Alternativen mit den gleichen gewünschten Stärkeeigenschaften ohne Risiko, z.B. die klassisch gezüchtete Kartoffel der Emsland Group und der EUROPLANT“, so Karg abschließend.

Rückfragehinweis: GLOBAL 2000 Presse: Jens Karg, Tel.: 0699/14 2000 20, Simonne Baur, Tel.: 0699/14 2000 23, E-Mail: presse@global2000.at