PRESSEINFORMATION

Steiermark muss Anpassung jetzt in Angriff nehmen

 

Graz (25. Juli 2008). Alarmierende Daten zum Klimawandel in der Steiermark präsentierte die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 heute im Rahmen einer Pressekonferenz. Eine Studie, die von KlimatologInnen der Universität für Bodenkultur für GLOBAL 2000 erstellt wurde, zeigt auf, dass der Klimawandel massive Auswirkungen auf die Umwelt- und Lebensbedingungen in der Steiermark hat. Vor allem Hitzewellen und Trockenheit werden der Bevölkerung zu schaffen machen. „Wenn jetzt konsequent in die Verringerung der Treibhausgasemissionen und in die Anpassung an die Klimaveränderung investiert wird, kann die Steiermark zum Nachhaltigkeitsmodell für ganz Österreich werden. Wird jetzt nicht gehandelt, drohen schwere Schäden und explodierende Kosten“, sagt Karl Schellmann, Klima- und Energieexperte von GLOBAL 2000. Dazu muss in der Steiermark ein integriertes Konzept umgesetzt werden, das wirksame Maßnahmen für die verbauten Flächen, für das landwirtschaftlich genutzte Flachland und für die forstwirtschaftlich dominierten Bergregionen enthält.

Gemeinsam ist diesen unterschiedlichen Regionen der Steiermark, dass der Temperaturanstieg die treibende Kraft der vom Klimawandel bedingten Veränderungen ist. In den nächsten Jahrzehnten werden die Sommer um etwa 2,5 Grad Celsius wärmer. Noch stärker ist die Zunahme der Durchschnittstemperatur im Herbst um drei Grad. Bei ungebremstem Klimawandel ist bis zum Ende dieses Jahrhunderts eine Temperaturzunahme von bis zu fünf Grad zu befürchten. Ein Blick in die Vergangenheit lässt diese Erwärmung umso bedrohlicher erscheinen: Von der letzten Eiszeit bis heute hat sich die Erde auch nur um fünf Grad erwärmt! Ohne Gegenmaßnahmen droht uns daher innerhalb einiger Jahrzehnte eine „Heißzeit“. „Weder Mensch noch Natur können sich in so kurzer Zeit an diese Aufheizung anpassen. Schwere gesundheitliche Probleme, besonders für Kinder und ältere Menschen sind zu befürchten. Auch der bereits zu beobachtende Trend hin zu stromverschlingenden Klimaanlagen ist fatal: Er treibt über den Stromverbrauch den Klimawandel an und führt über die Abwärme der Anlagen zu einer weiteren Aufheizung des regionalen Klimas, besonders in den Städten“, warnt Schellmann. Gleichzeitig sind im Sommer zunehmend Stromausfälle zu befürchten: Niedrige Flußwasserstände beschränken die Stromerzeugung aus Wasserkraft und der Betrieb von kalorischen Kraftwerken ist auf kühles Flusswasser angewiesen. Der Kollaps des Energiesystems durch erhöhten Stromverbrauch kombiniert mit einer geschwächten Energieerzeugung ist so vorprogrammiert.
Vom Klimawandel betroffen ist auch die Landwirtschaft: Im Hitzesommer 2003 erlitt die steirische Landwirtschaft bereits Schäden von 80 Millionen Euro. Auch die Forstwirtschaft ist durch Trockenheit, Hitze und Sturmschäden schwer bedroht. Standortfremde Fichtenbestände im Südosten der Steiermark leiden besonders unter der Hitze. In beiden Bereichen sind Anpassungen an das erwärmte Klima dringend notwendig.

GLOBAL 2000 fordert daher folgende Anpassungs- und Klimaschutzmaßnahmen:

- Auf Bundesebene ein Klimaschutzgesetz im Verfassungsrang, das kontinuierliche CO2-Reduktionen im Inland vorschreibt. Auch in der steirischen Landesverfassung sollte eine Verpflichtung der Politik zu wirksamen, heimischen Maßnahmen festgeschrieben werden.
- Umsetzung eines integrierten Klimaschutzprogrammes für die ganze Steiermark.
- Ein Maßnahmenprogramm zur Anpassung der Land- und Forstwirtschaft an die Klimaerwärmung. Förderung des Umbaus von standortfremden Fichtenwäldern (unter 800 Meter Seehöhe) in stabile Laubmischwälder.
- Schnelle Anpassung von Baunormen und Berücksichtigung des künftig erhöhten Kühlbedarfs.
- Umschichtung der Wohnbaufördermittel vom Neubau zur thermischen Sanierung bestehender Gebäude. Völlige Streichung der Wohnbaufördermittel ohne Energiekriterien (Sockelförderung).
- Förderung innovativer Projekte und der entsprechenden Forschung und Entwicklung zur Senkung des Kühlenergiebedarfs ohne fossile Energieträger wie solare Kühlung, Regenwasserspeicher als Wärme- und Kältereservoirs oder begrünte Dächer.
- Ausweitung und Begrünung von autofreien Zonen in den Städten. Dadurch wird der CO2-Ausstoß reduziert und es werden Flächen für zusätzliche Begrünung geschaffen.

 

GLOBAL 2000 Presse: Ruth Schöffl, 0699/14 2000 19 und Lydia Matzka-Saboi, Tel.: 0699/14 2000 26, E-Mail: presse@global2000.at
GLOBAL 2000 Klima- und Energieexperte: Karl Schellmann, 0699/14 2000 41