UmweltschützerInnen kritisieren Klimaschutz-Preisverleihung an Konzern, der weiter Kohlekraftwerke baut

Wien (5. November 2012): In der vergangenen Woche erhielt der bekannte österreichische Stromkonzern Verbund eine internationale Auszeichnung für Klimaschutz. Für Johannes Wahlmüller, Klima- und Energieexperte von GLOBAL2000, ist das mehr als zynisch: „Der Verbund ist mittlerweile jener Stromproduzent in Österreich geworden, der die meisten klimaschädlichen Treibhausgase emittiert. In der Türkei errichtet der Verbund ein Braunkohlekraftwerk, dass soviel Treibhausgase emittieren wird, wie Österreich über das Klimaschutzgesetz insgesamt einsparen will. In Zahlen umgelegt sind das 3,5 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr, die der Verbund in der Türkei ausstoßen wird. Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber soll den Preis sofort zurückgeben und erst einmal über die Konzernpilosophie nachdenken.“

Erschütternd ist für GLOBAL 2000 auch die Doppelzüngigkeit des Managements. Im Jahr 2010 hat der Verbund eine Kapitalerhöhung von einer Milliarde Euro bekommen, etwa 500 Millionen Euro davon von der Republik Österreich - vorgeblich für den Bau von Wasserkraftwerken. „Heute werden mit dem Geld Kohlekraftwerke in der Türkei errichtet. Wirtschaftsminister Mitterlehner muss als Eigentümervertreter sofort einschreiten“, fordert Johannes Wahlmüller weiter.

Der Verbund ist aber auch im Inland kein klimafreundliches Unternehmen: „Die Kohlekraftwerke in Dürnrohr und Mellach laufen laut offiziellen Daten auf Volltouren. Besonders erstaunlich ist, dass in Mellach nur wenige Meter neben dem Kohlekraftwerk entfernt das neue Gaskraftwerk steht. Auf Volltouren läuft aber nur das Kohlekraftwerk. Das ist die wirkliche Klimaschutzpolitik des Verbunds - und dafür wird er absurderweise auch noch mit einem Klimaschutzpreis belohnt“, stellt Johannes Wahlmüller abschließend fest.