Wien, am 12. Oktober 2014 – Die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 ist überrascht, dass ein seriöses Wochenmagazin wie das PROFIL unter dem Cover-Titel „Alarmstufe Rosa“ tendenziös und unter Verletzung der journalistischen Sorgfaltspflicht die Arbeit gleich mehrerer zivilgesellschaftlich relevanter Organisationen in ein schlechtes Licht rückt. Die von einem freien Autor verfasste Geschichte enthält mehrere Falschaussagen, die die demokratiepolitisch wichtige, sachlich fundierte und seriöse Arbeit einer Umweltschutzorganisation in Misskredit bringt. „Entgegen üblicher journalistischer Gepflogenheiten wurde darauf verzichtet, die MitarbeiterInnen der Vereine und Umweltschutzorganisationen vor der Veröffentlichung mit den Vorwürfen zu konfrontieren“, sagt Leonore Gewessler, Geschäftsführerin von GLOBAL 2000. „Mit dieser Arbeitsweise wurde uns die Möglichkeit genommen, diese Unterstellungen noch vor Drucklegung richtig zu stellen. Schade, dass der Autor den Ehrenkodex der heimischen Presse nicht berücksichtigt hat. Wir fordern daher eine Richtigstellung.“

„Den Vorwurf des Alarmismus weisen wir entschieden zurück”, führt Gewessler fort: „Die von unseren ExpertInnen getätigten Aussagen basieren auf überprüfbaren Fakten und lassen sich anhand seriöser Quellen untermauern und verifizieren. Auch ist die Transparenz und Nachvollziehbarkeit der angewendeten Test-, Analyse- und Berechnungsmethoden für GLOBAL 2000 stets eine zentrale Qualitätsanforderung an unsere Arbeit. Der vorliegende PROFIL-Artikel liefert eine gute Gelegenheit, dies anhand der dort angeführten Beispiele zu demonstrieren.“

Eine detaillierte Stellungnahme zu allen im PROFIL-Artikel erhobenen Vorwürfe, die die Tätigkeit von GLOBAL 2000 betreffen, ist derzeit in Ausarbeitung und wird am Montag, 13.10., unter www.global2000.at veröffentlicht. Auszugsweise drei Beispiele, die die Fehler aufzeigen:

Beispiel 1: Der Autor schreibt: Die Testergebnisse von Quecksilber in Fisch seien nicht besorgniserregend, da man „kiloweise Fisch essen müsste, um gesundheitsrelevante Werte zu erreichen“

Diese Aussage ist - leider - falsch. Richtig ist vielmehr, dass ein 25 Kilogramm schweres Schulkind von den untersuchten Attersee-Saiblingen bereits mit dem Genuss von 250 Gramm pro Woche den von der EU festgelegten gesundheitlichen Richtwert für die tolerierbare wöchentliche Aufnahme überschreitet. Bei einem solchen Fischkonsum über einen längeren Zeitraum lassen sich negative Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung laut WHO nicht ausschließen. Das ist ein Ergebnis, das uns von GLOBAL 2000 ebenso wenig gefällt wie den österreichischen FischerInnen und KonsumentInnen. Es wäre allerdings absolut unverantwortlich, diese Informationen zu verschweigen.

Beispiel 2: Indem betont wird, dass sich Quecksilber, „außerdem in den Nieren der Fische ansammle, die ja nicht verspeist würden“, suggeriert der Artikel, dass GLOBAL 2000 die Saiblinge samt Innereien untersucht hätte.

Tatsächlich wurden - wie im Prüfbericht des Umweltbundesamts dokumentiert - beim Attersee-Saibling acht „ausgenommene“ (d.h.von Innereien befreite) Exemplare in Form einer homogenisierten Mischprobe untersucht. Die vorgefundene Belastung von 180 Mikrogramm pro Kilogramm entspricht daher bereits einer durchschnittlichen Belastung, ermittelt aus acht Einzelproben. Quecksilber, welches sich in Innereien angereichert hätte, konnte daher in das Analyseergebnis gar nicht eingehen. Für GLOBAL 2000 ist daher sehr verwunderlich, dass der Autor, der von der Organisation sowohl schriftlich im Prüfbericht als auch mündlich über diese Tatsachen in Kenntnis gesetzt wurde, wider besseren Wissens im Artikel Gegenteiliges suggeriert und somit die Glaubwürdigkeit und Belastbarkeit der GLOBAL 2000-Ergebnisse in Frage stellt.

Beispiel 3: An anderer Stelle unterstellt der Autor mit Bezugnahme auf eine von GLOBAL 2000 im August 2012 präsentierten Studie über die Belastung von europäischem Obst und Gemüse mit hormonell wirksamen Pestiziden MitarbeiterInnen von GLOBAL 2000 die Anwendung von „fragwürdigen“ und „unzulässigen“ mathematischen Methoden und „Rechentricks“ mit dem Ziel „alarmierende Ergebnisse zu erhalten“.

Tatsächlich ist dieser vermeintliche „Rechentrick“ nichts Anderes als die simple Addition von durchschnittlichen Einzelbelastungen zu einer durchschnittlichen Summenbelastung. Berechnet wurde damit z.B. ein europäischer Durchschnittsapfel in Hinblick auf seine Summenbelastung mit potentiell hormonell wirksamen Pestiziden. Besonders befremdlich ist daher, dass ein nicht näher genannter Vertreter der AGES diese Berechnung einer Summenbelastung als „unzulässig“ bezeichnet haben soll. Schließlich weisen deutsche Gesundheitsbehörden, wie beispielsweise das CVUA Stuttgart (welche übrigens die österreichische AGES vor Jahren dabei unterstützte, ihre in die Kritik geratene Pestizidanalytik zu verbessern) in ihren Jahresberichten routinemäßig die über Einzelpestizidrückstände aufsummierten Summenbelastungen von Obst und Gemüse als „mittlerer Pestizidgehalt pro Probe”aus.

Wir fordern die Richtigstellung dieser Tatsachen und laden alle am Zustandekommen der aktuellen PROFIL-Cover-Geschichte beteiligten Personen, insbesondere auch die ExpertInnen der AGES, dazu ein, ihre Vorwürfe in einer sachlichen Diskussion mit GLOBAL 2000-ExpertInnen zu thematisieren und einer Überprüfung ihrer inhaltlichen Belastbarkeit zu unterziehen. „GLOBAL 2000 wird jedenfalls weiter unabhängig, seriös, fachlich fundiert und manchmal auch unbequem für den Schutz unserer Umwelt eintreten”, hält Gewessler abschließend fest.