EU-Parlament stimmt im Mai über Nährwertkennzeichnung ab – MEP Seeber muss Blockade beim KonsumentInnen-Schutz beenden – GLOBAL 2000 startet E-Mailprotest

(Wien, 30. April 2010) Die Lebensmittelindustrie stemmt sich gegen die Ampelkennzeichnung. Gemeinsam mit KinderärztInnen und KonsumentInnenschützerInnen aus ganz Europa spricht sich die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 deshalb jetzt aktiv für eine Ampelkennzeichnung bei Lebensmitteln aus. „Ob versalzene Fertiggerichte, fettstrotzende Light-Produkte oder als gesunde Kinderlebensmittel getarnte Zuckerbomben - die KonsumentInnen stehen im Supermarkt immer wieder vor einem groß angelegten Etikettenschwindel“, empört sich Jens Karg, Sprecher von GLOBAL 2000. „Wenn der Gehalt an Fett, Zucker und Salz mit der Nährwertampel gekennzeichnet wird, können KonsumentInnen auf einen Blick erkennen, was in einem Produkt steckt“.

Das Prinzip der Lebensmittelampel ist einfach: Rot steht für einen hohen, gelb für einen mittleren und grün für einen unbedenklichen Gehalt an Zucker, Fett oder Salz.

Patt im Umweltausschuss

Der EU-Umweltausschuss hat Ende März die Idee einer europaweiten verpflichtenden Ampel mit 32 zu 30 Stimmen knapp abgelehnt. Im Mai wird nun das EU-Parlament entscheiden. GLOBAL 2000 startet deshalb einen E-Mailprotest an den Gesamtkoordinator des Umweltausschusses der Europäischen Volks Partei (EVP)-Fraktion, Dr. Richard Seeber. „Es ist völlig unverständlich, dass sich Dr. Seeber von der ÖVP, als Gesamtkoordinator des Umweltausschusses der EVP-Fraktion, gegen die Ampelkennzeichnung stellt. Wir fordern ihn auf, seine Blockadehaltung zu beenden und die Ampel aktiv zu unterstützen“, so Karg.

Auch Gesundheitsminister Stöger werden die UmweltschützerInnen mobilisieren. „Der österreichische Ernährungsbericht belegt anschaulich, dass wir uns zu fett, zu süß und zu salzig ernähren. Der 'unsichtbare' Salz-, Zucker- und Fettgehalt vieler Fertigprodukte und -speisen wurde als Problem erkannt. Wenn es Minister Stöger ernst meint, mit den Appellen zu richtiger Ernährung, dann wird er sich unserer Forderung nach der Ampelkennzeichnung sofort anschließen“, hofft Karg.

Lebensmittelindustrie läuft Sturm gegen die Ampel

Die Lebensmittelindustrie läuft Sturm gegen die Ampel. Sie will europaweit das von ihr entwickelte „Guideline daily amount“-Modell (GDA) durchsetzen, welches den Nährwert eines Lebensmittels in Portionsgrößen angibt. Durch die Wahl kleiner Portionsgrößen und andere Tricks rechnen Lebensmittelhersteller ihre Produkte jedoch schön. „Ein Wust an Werten, Zahlen und Begriffen, die vielleicht LebensmittelchemikerInnen durchschauen, nicht aber die KundInnen.. Wer hier vergleichen will, muss mit dem Taschenrechner einkaufen gehen“, kommentiert Karg den Vorschlag der Industrie. Dass die GDA-Kennzeichnung in die Irre führt, belegt eine Studie des deutschen Marktforschungsinstitutes GFK. GFK zeigte rund 1000 repräsentativ ausgewählten Personen Frühstückscerealien. Nestlé-Trio wurde mit einem zweiten Frühstückscerealien-Produkts des gleichen Herstellers verglichen, den Nestlé Fitness Fruits. In jener Gruppe, welcher beide Produkte mit Ampel-Kennzeichnung vorgesetzt wurden, erkannten 92,1 Prozent der Befragten richtig, dass Trio mehr Zucker enthält als die Fitness Fruits. In der GDA-Gruppe konnte nur jedeR Vierte (25,8 Prozent) diesen richtigen Schluss ziehen. Eine große Mehrheit von 69,6 Prozent der Befragten wurde durch die Industriekennzeichnung auf die falsche Fährte gelockt und hielt Trio für das zuckerärmere Produkt. „Das Ergebnis der GFK-Studie ist vernichtend für die GegnerInnen der Ampel“ so Karg abschließend.

Die Kampagnen-Informationen erhalten Sie unter: www.dieampel.global2000.at

Rückfragehinweis: GLOBAL 2000 Presse: Jens Karg, Tel.: 0699/14 2000 20, Simonne Baur, Tel.: 0699/14 2000 23, E-Mail: presse@global2000.at