Gefordert ist eine sachliche und wissenschaftsbasierte Diskussion zum Thema Bienenschutz.

Wien (18. April 2012). Der Präsident des Bauernbundes und Abgeordnete zum Nationalrat, Jakob Auer, spricht in seiner gestrigen Aussendung von einer „Global 2000 Kampagne, wonach Pflanzenschutzmittel der Landwirtschaft mit Bienenschäden in Verbindung gebracht werden.“ Hierzu stellt die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 richtig: Dieser Zusammenhang wird nicht nur von GLOBAL 2000 hergestellt, er ist mittlerweile auch in Österreich durch die MELISSA-Studie offiziell bestätigt. Zitat aus der Presseaussendung der AGES vom 3. April 2012 zum MELISSA-Abschlussbericht: „Es gibt einen unbestrittenen Zusammenhang zwischen Bienenverlusten und insektizidgebeiztem Saatgut.“ (1). Vermutet wurde das von den Imkern schon lange, deshalb forderten die Obmänner des österreichischen Imkerbunds und Erwerbsimkerbunds, Josef Ulz und Josef Stich, bereits im Juni 2008 im Rahmen einer Pressekonferenz ein Verbot dieser Mittel (2).

Des weiteren bezieht sich Auer in seiner Aussendung auf angebliche „grob verzerrende und unrichtige Darstellungen, wonach die Bauern alleinig für das Bienensterben verantwortlich gemacht werden“. GLOBAL 2000 verwehrt sich gegen diese Aussage und stellt ganz im Gegenteil klar: „Die Bauern gehören neben den Bienen und Imkern, zu den ersten Opfern einer verfehlten Landwirtschaftspolitik, die anstatt auf Fruchtfolge auf den verpflichtenden Einsatz von bienenschädigenden Pestiziden setzt“, hält DI Dr. Helmut Burtscher, GLOBAL 2000 Umweltchemiker, fest. „Wenn wieder Bienenschäden auftreten, dann ist zu befürchten, dass der Schwarze Peter einmal mehr den Bauern zugeschoben wird.“ Denn schon jetzt wird im MELISSA-Abschlussbericht ein Verstoß gegen die AGES-Auflagen für die Maisaussaat als mögliche Ursache für die Bienenschäden angedeutet. Zitat aus dem MELISSA-Abschlussbericht (Seite 183): „Ob tatsächlich in jedem Fall, bei dem in Österreich ein Zusammenhang der Bienenschäden mit der Aussaat von gebeiztem Saatgut hergestellt werden konnte, alle Zulassungs- und Anwendungsauflagen lückenlos eingehalten wurden (z. B. abdriftzertifizierter Deflektor, keine Aussaat bei Windgeschwindigkeiten von >5m/sec), konnte im Rahmen des Projektes nicht hinreichend geklärt werden.“(3).

Helmut Burtscher: „Eine der behördlichen Auflagen verlangt beispielsweise von den Bauern, auf eine Maisaussaat bei Windgeschwindigkeiten über fünf Meter pro Sekunde zu verzichten. Die im MELISSA-Abschlussbericht angeführten Wetterdaten zeigen aber, dass vielerorts die durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten zur Zeit der Maisaussaat weit über diesem Wert lagen. Was soll der Landwirt in solchen Fällen tun?“

Zudem haben Untersuchungen aus Italien (APINET) gezeigt, dass eine Kontamination von Bienen auch bei vollständiger Einhaltung aller genannten Auflagen nicht verhindert werden kann (4). Gewissermaßen gesteht das auch die AGES ein, wenn sie im MELISSA-Abschlussbericht schreibt: Die „aufgetretenen Bienenschäden zur Zeit der Maisaussaat und die positiven Ergebnisse der Rückstandsuntersuchungen zeigen, dass das Problem der Wirkstoffabdrift mit den derzeit verpflichtend eingesetzten Typen von Deflektoren noch nicht zufriedenstellend gelöst werden konnte.“ Deshalb verbieten unsere Nachbarländer Deutschland, Slowenien und Italien den Einsatz neonicotonoider Saatgutbeizmittel. Weiters schreibt Auer, dass es seit 2012 in Österreich eine verpflichtende Fruchtfolge für Mais gebe. „Was der Präsident des Bauernbundes hier als Fruchtfolge bezeichnet, ist in unseren Augen nichts anderes als eine Mais-Monokultur mit Unterbrechungen“, hält Burtscher entgegen. Denn in dieser sogenannten „Fruchtfolge“ ist vorgesehen, dass weiterhin drei Jahre hintereinander Mais auf Mais auf Mais angebaut wird, und erst danach für ein Jahr unterbrochen wird. „Das wird uns weder dabei helfen, dem schädlichen Maiswurzelbohrer Einhalt zu gebieten, noch wird es die anderen mit der Mais-Monokultur einhergehenden Umweltprobleme lösen.“

In Anbetracht dieser Fakten war es dann auch nicht verwunderlich, dass beim gestrigen Experten-Hearing im Parlament, welches vor dem Agrarausschuss zum Thema Bienensterben stattgefunden hat, die geladenen Experten Josef Stich (Obmann des Erwerbsimkerbunds), DI Dr. Mandl (Koordinator der Arbeitsgemeinschaft Bienenforschung an der BOKU Wien) sowie DI Dr. Helmut Burtscher unabhängig voneinander den Verzicht auf neonicotinoide Beizmittel als einzig wirksame Maßnahme zum Bienenschutz empfohlen haben. Alle Oppositionsparteien fordern geschlossen ein Verbot dieser Mittel, und auch die SPÖ-VertreterInnen machten sich für den Bieneschutz stark. Einzig die anwesenden Vertreter der ÖVP, der Landwirtschaftskammer, des Bauernbundes und der AGES sprechen sich derzeit noch dezidiert gegen ein Verbot dieser bienengefährlichen Mittel aus (5).

Quellen:

(1)http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20120403_OTS0136/ages-forschungsp...

(2)http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20080723_OTS0046/oesterreichische...

(3)https://www.dafne.at/prod/dafne_plus_common/attachment_download/35aa44b1...

(4)http://www.erwerbsimkerbund.at/?id=2500%2C1130598%2C%2C

(5)http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20120417_OTS0266/landwirtschaftsp...

Weitere Informationen:

GLOBAL 2000 Pressesprecherinnen

Mag. Lydia Matzka-Saboi & Mag. Nunu Kaller

Tel.: 0699/14 2000 26 und 0699/14 2000 20

E-Mail: presse@global2000.at

GLOBAL 2000 Umweltchemiker

DI Dr. Helmut Burtscher

Tel.: 0699/14 2000 34

E-Mail: helmut.burtscher@global2000.at