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„Ja“ zu Sozialpolitik heißt „ja“ zu mehr Klimaschutz

Wien (5. September 2008). Arme Menschen in Österreich sind weniger für den Klimawandel verantwortlich als Reiche, gehören aber bei vielen Aspekten zu den VerliererInnen der Klimaänderung. Das sind die Ergebnisse der von GLOBAL 2000 in Auftrag gegebenen Studie „Soziale Aspekte von Climate Change Impacts“. Dazu der Studienautor Franz Prettenhaler von Joanneum Research: „Personen des obersten Einkommensquartils geben mehr Geld für Mobilität und Konsum aus als andere und verursachen damit auch mehr Treibhausgase. Besonders ins Gewicht fallen der Besitz von mehr Autos und höheren Ausgaben für Reisen bzw. Flugreisen. Ärmere wohnen hingegen in kleineren Wohnungen und heizen häufiger klimafreundlich mit Holz.“

Der Klimawandel wird aber die Ärmeren stärker treffen. Da ärmere Bevölkerungsgruppen höhere Anteile ihres Einkommens für Nahrungsmittel und Energie ausgeben müssen, sind sie z.B. von klimabedingten oder klimapolitikbedingten Preissteigerungen besonders betroffen. Aufgrund fehlender finanzieller Möglichkeiten können sich Personen niedriger Einkommensgruppen auch seltener energetische Wohnraumsanierungsmaßnahmen sowie energieeffiziente Elektrogeräte leisten, um ihren Energieverbrauch weiter zu senken bzw. um sich an höhere Temperaturen im Sommer anzupassen. Zudem wohnen Ärmere häufiger in Mietwohnungen, wo es momentan nur wenig Möglichkeit zur Gebäudesanierung gibt.

Differenziert setzt sich die Studie von GLOBAL 2000 mit den Folgen der Klimaerwärmung für Heiz- und Kühlbedarf von Reicheren und Ärmeren an ihren Wohnorten auseinander. Das ärmere Viertel der österreichischen Bevölkerung wohnt überwiegend in Gebieten, wo derzeit geringfügig mehr geheizt werden muss als dort, wo das reichste Bevölkerungsviertel wohnt. Die gute Nachricht für die Ärmeren ist, dass sich durch den Klimawandel dieser Nachteil verringert, d.h. die Regionen in welchen sie wohnen werden stärker an Heizgradtagen verlieren als der Rest Österreichs. Einen kleinen Vorteil gibt es auch im Hinblick auf den Anstieg der Kühlgradtage: Sie werden am durchschnittlichen Wohnort der Ärmeren etwas geringere Anstiege verzeichnen. Allerdings sind davon rund 300.000 ärmere Menschen ausgenommen. Sie leben in Gegenden, wo der Kühlbedarf am stärksten zunehmen wird und wo sie in zumeist schlecht gedämmten Wohnungen keinen Schutz gegen die Hitze haben.

Auf Basis der Studienergebnisse folgert daher Heinz Högelsberger, Energiereferent von GLOBAL 2000: „Klimaschutz sowie Klimaschutzpolitik sind gelebte Sozialpolitik. Der Klimawandel führt zum Anstieg sozialer Ungerechtigkeit - nicht nur weltweit sondern auch innerhalb Österreichs. Wer für die Rechte und Interessen der weniger Wohlhabenden in Österreich eintritt, muss konsequenterweise auch für effizienten Klimaschutz sein.

Konkret stellt GLOBAL 2000 folgende sozialpolitischen Klimaschutzforderungen auf:

- Energieberatung statt „Heizkostenzuschuss nach dem Gießkannenprinzip“ für Bedürftige.
- Recht auf thermische Sanierung auch in Mietwohnungen (z.B. durch Contracting-Modelle).
- Höhere Wohnbaustandards im Bezug auf Heiz und Kühlbedarf.
- Ökologische und sozial gerechte Tarife für Strom, Gas und Fernwärme, um sparsamen Energieverbrauch finanziell zu belohnen.
- Ausbau der Öffentlichen Verkehrsmittel, speziell in bisher vernachlässigten ländlichen Gebieten.
- Eine ökologische Steuerreform, die Energie- und Ressourcenverschwendung verteuert und finanzielle Belastung auf Arbeit (z.B. Sozialversicherungsbeiträge) reduziert.
- Ordnungspolitische Maßnahmen und Verbote gegen Klimazerstörung.
- Ein verbindliches Klimaschutzgesetz im Verfassungsrang.

Weitere Informationen:

GLOBAL 2000 Presse: Mag. Ruth Schöffl, 0699/14 2000 19, E-Mail: presse@global2000.at
GLOBAL 2000 Energiereferent: Dr. Heinz Högelsberger, 01/812 57 30 18