PRESSEINFORMATION

Weitreichende technische Veränderungen machen grenzüberschreitende UVP unumgänglich

Wien (21. Februar 2008) Vor einer Erhöhung des atomaren Risikos beim AKW Mochovce warnte heute anlässlich einer Pressekonferenz die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000. Geplant sind technische Änderungen der Brennstoffnutzung: Die Brennelemente sollen bis zu 100 Prozent länger in den Reaktoren bleiben. Dadurch erhöht sich auch der Abbrand, der wiederum bei eventuellen Freisetzungen durch Unfälle wie auch bei der Lagerung für Mensch und Umwelt gefährlicher wird. Die exakten Folgen für diese grundlegende Projektänderung wurden bisher nicht untersucht. Daher ist eine grenzüberschreitende UVP unbedingt notwendig, wie GLOBAL 2000 in der Studie darlegt.

Das AKW Mochovce in der slowakischen Republik steht vor zwei einschneidenden Veränderungen beim Betrieb der Reaktorblöcke, wobei bei beiden eine erhöhte Nutzung der Brennstäbe angestrebt wird: Bei den Blöcken 1 und 2 soll es zu einer Leistungserhöhung von 100 auf 107% der Nominalleistung kommen, bei den Blöcken 3 und 4 zu Veränderungen der Länge der Verweildauer der Brennstäbe im Reaktor im Zuge der Fertigstellung. Während der Brennstoffzyklus bei den Reaktoren, für die die Baugenehmigung aus dem Jahr 1986 stammt, bei 3 Jahren lag, sollen diese Reaktoren dann mit 4 oder 5 Jahren ( wie etwa die Blöcke 1 und 2 von Mochovce) betrieben werden oder gar mit 5 oder 6jährigen Zyklen.

Das ist eine Veränderung, die nicht einfach unter den Tisch gekehrt werden kann: Die Radionuklidzusammensetzung wird sich ändern, sowohl bei eventuellen Austritten während des Normalbetriebs wie auch bei Unfällen. „Die Sicherheitsreserven werden bis an die Grenzen genutzt werden, um auf Kosten der Sicherheit zu mehr Leistung und somit mehr Profit zu kommen," erläutert Dalibor Strasky, der Autor der Studie. Der tschechische Kernenergieexperte arbeitete bereits bei der Errichtung und dem Betrieb des KKW Dukovany mit, dessen Bauart dem des AKW Mochovce entspricht.

Die rechtliche Schlussfolgerung kann nur lauten, dass eine Umweltverträglichkeitsprüfung für ein in Schlüsselbereichen so stark verändertes Projekt notwendig ist, da es sich in Summe um ein neues Projekt handelt. „Die österreichische Bundesregierung muss endlich handeln“, betont Silva Herrmann, Anti-Atom-Sprecherin von GLOBAL 2000, abschließend.

 

 

Weitere Informationen:

GLOBAL 2000 Anti-Atom-Sprecherin: DI Silva Herrmann, 0699/14 2000 17
GLOBAL 2000 Presse: Mag. Ruth Schöffl 0699/14 2000 19, Mag. Lydia Matzka-Saboi 0699/14 2000 26, presse@global2000.at