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Lebensmittelgesetz schützt nicht vor Pestizidcocktail

Wien (13. Februar 2007). Die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 testete stichprobenartig Paprika aus verschiedenen Herkunftsländern, die derzeit im Handel erhältlich sind. Die elf Paprikaproben wurden in einem akkreditierten Labor auf Pestizidrückstände untersucht. Spanische Paprika wiesen dabei starke Pestizidbelastungen auf. Diese waren mit bis zu sieben unterschiedlichen Pestizidwirkstoffen belastet. Besonders Besorgnis erregend ist der Nachweis des illegalen Fungizids Biphenyl auf einer spanischen Probe, sogar über dem Höchstwert. Biphenyl ist seit 2004 in ganz Europa verboten und steht im Verdacht, gesundheitsschädigend zu sein. Lisa Kernegger, Pestizidexpertin von GLOBAL 2000: „Die aktuellen Ergebnisse weisen spanische Paprika erneut als Problemprodukte aus. Obwohl wir bereits seit fünf Jahren vor den Pestizidcocktails in spanischen Paprika warnen, gibt es noch immer keine gesetzliche Handhabe, die die Zahl der eingesetzten Pestizdwirkstoffe deckelt. Gesundheitliche Langzeitwirkungen solcher Giftgemische sind schwer einschätzbar. Die Risikobewertung solcher Pestizidcocktails stellt die Medizin vor große Probleme.“

Positiv zu werten sind die Testergebnisse von israelischen Paprika. In zwei von drei Paprikaproben aus Israel wurden überhaupt keine Pestizide nachgewiesen, die dritte Probe war mit einem Pestizid geringfügig belastet. Damit deckt sich der GLOBAL 2000-Stichprobentest mit einer von der österreichischen Lebensmittelbehörde AGES im Vorjahr durchgeführten Studie, die 155 Paprikaproben untersuchte. Auch hier war der Anteil an pestizidbelasteten Paprika-Proben aus Israel signifikant geringer als bei Paprika aus Spanien. So wiesen alle von der AGES untersuchten spanischen Paprika Pestizidrückstände auf; 35 Prozent waren mit acht und mehr Pestizidwirkstoffen belastet und 22,5 Prozent der Pestizidrückstände lagen über dem gesetzlichen Höchstwert. „Hinter diesen herkunftsspezifischen Unterschieden in der Pestizidbelastung stecken unterschiedliche landwirtschaftliche Produktionsweisen“, so Kernegger. „Pestizidcocktails, wie wir sie bei spanischen Paprika finden, sind Folge eines gedankenlosen und verantwortungslosen Umgangs mit Pestiziden, wie er vielerorts leider immer noch praktiziert wird.“ Das gute Abschneiden israelischer Paprika ist darauf zurückzuführen, dass in Israel verstärkt auf innovative Pflanzenschutzmaßnahmen, wie zum Beispiel der Einsatz von so genannten Nützlingen gegen Schadinsekten, gesetzt wird. Der Einsatz von Nützlingen an Stelle von Pestiziden ist auch bei vielen österreichischen Paprikaproduzenten (saisonbedingt im GLOBAL 2000 Test nicht enthalten) mittlerweile üblich.

GLOBAL 2000 fordert vor dem Hintergrund des aktuellen Tests, dass die Pestizid-Summenbelastung dringend in die Risikobewertung von Pestizidbelastungen einbezogen werden muss. „Wer sich pestizidfrei und klimafreundlich ernähren will, sollte zu biologisch erzeugten Produkten aus der Region greifen. Diese werden völlig ohne chemisch synthetische Pestizide erzeugt“, so Kernegger.

Weitere Informationen:

GLOBAL 2000, Andreas Baur 0664/103 24 23, Lisa Kernegger, 01/812 57 30 – 55, Lydia Matzka, 069914200026
andreas.baur@global2000.at