Wien, am 29. Jänner 2015 – Der neue Report der Gentechnik freundlichen internationalen Organisation ISAAA (The International Service for the Acquisition of Agri-biotech Applications, u.a. gesponsert von Monsanto und Bayer) weist für 2014 einen weiteren weltweiten Anstieg für den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen auf. Was sich in dem Report wie eine Erfolgsgeschichte liest, bereitet GLOBAL 2000 Gentechnik-Sprecherin, Heidemarie Porstner, Anlass zur Sorge: „Vor allem die USA setzen weiterhin auf den Einsatz von Gentechnologie in der Landwirtschaft. Sie wollen die GV-Pflanzen auch verstärkt nach Europa exportieren. TTIP wird da als willkommener Türöffner gesehen.“ Bisher gilt in der EU eine Risikobewertung auf Basis des so genannten „Vorsorgeprinzips“, das bedeutet, dass es vor der Zulassung einer neuen GV-Pflanze, sei es für den Import oder den Anbau, eine unabhängige Risikobewertung über die Auswirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt geben muss. Nach Einschätzung der Agrar-Industrie, sowohl der EU als auch der USA, dauern diese Verfahren zu lange. Sie werden neben anderen Faktoren als „Handelshemmnisse“ betrachtet. Sie fordern eine schnellere Zulassung unter Umgehung des Vorsorgeprinzips.
 
In der EU werden derzeit rund 143.000 Hektar gentechnisch veränderter Mais in fünf Ländern angebaut. Spanien deckt dabei 92 Prozent ab. Dennoch, in Spanien wurde im Jahr 2014 zumindest drei Prozent weniger GV-Mais angebaut als im Jahr davor. In den USA stieg der Anbau auch 2014 im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent an, insgesamt auf 73,1 Mio. Hektar. Auch in Kanada wurde ein Anstieg von knapp sieben Prozent auf 11, 6 Mio. Hektar verzeichnet.
 
Im Zuge der 8. Verhandlungsrunde zu TTIP treffen sich morgen VertreterInnen der USA und der EU-Kommission, um über das Kapitel der „Regulatorischen Kooperation“ zu sprechen. Porstner: „Kommt die Regulatorische Kooperation so, wie sie im aktuell geleakten Dokument vorliegt, bekommen auch Gentechnikkonzerne mehr Mitspracherecht, wenn es um neue Regulierungen und Verfahren für die Zulassung von Gentechnik geht. Das Ziel der Gentechnik-Lobby ist klar: Mehr Gentechnik muss nach Europa importiert werden und die strengen Auflagen sollen fallen. Wie die EU-Kommission das verhindern will, konnte sie uns bisher nicht schlüssig erklären. Wir fürchten, dass die USA Gentechnik nach wie vor als Erfolgsgeschichte verkaufen und kein Verständnis für die kritische Haltung in der EU haben.“
 
Porstner weiter: „Gentechnik ist keine Lösung, nicht für die EU. Was wir brauchen, ist eine andere Art der Landwirtschaft. Ökologisch, nachhaltig und so, dass sie den Kleinbäuerinnen und -bauern das Überleben sichert. In Österreich müssen wir Wege finden, um von Gentechnik-Importen weg zu kommen und unsere Landwirtschaft wirklich gentechnikfrei zu machen!“ Nach wie vor werden über 650.000 Tonnen Soja für Futtermittel nach Österreich importiert, drei Viertel davon sind gentechnisch verändert.
 
Link zum ISAAA-Bericht : www.isaaa.org