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AMA-Gütesiegel für solches Obst irreführend

Wien (29. August 2008) In einer repräsentativen Umfrage durch das Meinungsforschungsinstitut Integral gaben insgesamt 71% der befragten Personen an, keine Äpfel kaufen zu wollen, die in der Produktion mit Antibiotika behandelt wurden. 41% wollen solche Äpfel selbst dann nicht kaufen, wenn diese keine nachweisbaren Rückstände aufweisen. 67% der Befragten gaben an, Äpfel lieber bei jenen Supermarktketten kaufen zu wollen, die keine mit Antibiotika produzierten Äpfel anbieten. Ganze 73% erwarten vom AMA Gütesiegel, dass es nur für Äpfel vergeben wird, die ohne Antibiotika produziert worden sind.

 

Die Umfrage zeigt, dass die ÖsterreicherInnen Antibiotika im Obstbau mit großer Mehrheit ablehnen. Gleichzeitig glauben sie aber, dass das AMA Gütesiegel eine Antibiotika-freie Produktion garantiert. „Das stellt die AMA vor ein Dilemma. Im Falle einer erneuten Freigabe von Streptomycin durch Landwirtschaftsminister Pröll im kommenden Jahr, muss sich die AMA entscheiden: Entweder vergibt sie das Gütesiegel fortan nur mehr für Antibiotika-freie Produktion, wie das von den Konsumenten ja erwartet wird, oder sie muss die Konsumenten darüber aufklären, dass das AMA-Gütesiegel nicht für antibiotikafreie Produktion steht," so Helmut Burtscher, Biochemiker von GLOBAL 2000.

In der Steiermark und Tirol wurde heuer erstmals, in Vorarlberg bereits zum wiederholten Male, das umstrittene und von der EU verbotene Antibiotikum Streptomycin im Erwerbsobstbau angewendet, nachdem im Vorjahr der Feuerbrand unter Österreichs Obstbauern große Schäden angerichtet hatte. Allein in der Steiermark wären im ungünstigsten Fall etwa 5.000 Hektar Kernobstfläche von einer Streptomycin-Anwendung betroffen gewesen. Dank günstiger klimatischer Bedingungen blieb dieser großflächige Antibiotika-Einsatz heuer erfreulicherweise aus. Tatsächlich angewendet wurde Streptomycin nur auf rund 2-3% der ursprünglich bewilligten Fläche.

Die Tatsache, dass die KonsumentInnen Obst, das mit Antibiotika produziert worden ist, in großer Mehrheit ablehnen, sollte bei allen Beteiligten, die bisher in erster Linie auf Antibiotika zur Feuerbrandbekämpfung gesetzt haben, einen Nachdenkprozess einleiten. „Es macht keinen Sinn, Obst zu produzieren, wenn die Leute dieses nicht essen wollen. Mit Blick auf die kommende Anbausaison sollten daher alte, festgefahrene Positionen neu überdacht und Alternativen im Umgang mit Feuerbrand in Betracht gezogen werden," so Burtscher. GLOBAL 2000 fordert daher von Landwirtschaftsminister Pröll, in Zusammenarbeit mit den Ländern, die Erarbeitung einer bundesweit einheitlichen Strategie zur Bekämpfung des Feuerbrands.

Diese Strategie muss folgende Eckpunkte beinhalten:

- Eine gesetzlich festgelegte finanzielle Entschädigung für Feuerbrandopfer. Die Existenz österreichischer Obstbauern darf nicht gefährdet werden.
- Die intensive Forschung zu Methoden zur Bekämpfung des Feuerbrands unter Verzicht auf Antibiotika.
- Die Erarbeitung vergleichender, volkswirtschaftlicher Szenarien in der Feuerbrandbekämpfung unter Einsatz von Streptomycin und unter Ausnützung der verfügbaren alternativen Methoden.
- Ein intensives Resistenzmonitoring und die Festlegung einer verbindlichen Definition für den Streptomycin-Ausstieg bei Nachweis von Antibiotka-Resistenzen. Es muss gewährleistet werden, dass die Wirksamkeit von Antibiotika, die zur Krankheitsbekämpfung beim Menschen eingesetzt werden, nicht beeinträchtigt wird.

Weitere Informationen:

GLOBAL 2000 Biochemiker: DI Dr. Helmut Burtscher 0699/14 2000 34
GLOBAL 2000 Presse: Mag. Ruth Schöffl 0699/14 2000 19, presse@global2000.at