Wien, am 16. Mai 2014 – Wer würde „Kaiser Friedrich“ oder die „Linzer Rose“ wählen? Welche EU-KandidatInnen geben diesen Vielfaltspflanzen eine Stimme in Brüssel? Der Verein ARCHE NOAH und die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 haben bei den österreichischen KandidatInnen zum EU-Parlament nachgefragt, wie sie zur Sortenvielfalt stehen. Iga Niznik, Referentin bei ARCHE NOAH, erläutert den Hintergrund der Umfrage: „Die EU-Saatgutverordnung ist zwar erstmal vom Tisch. Doch die Reform des EU-Saatgutverkehrsrechts wird in der kommenden Legislaturperiode des EU-Parlaments wahrscheinlich weitergehen. Im Hinblick auf die EU-Wahl am 25. Mai wollen die WählerInnen wissen, wie die Parteien und ihre KandidatInnen zu Vielfaltssaatgut, also zu alten und seltenen Sorten von Gemüse, Getreide und Obst, stehen.“

22 EU-KandidatInnen haben an der Umfrage teilgenommen. Heidemarie Porstner, Agrarsprecherin bei GLOBAL 2000, kommentiert: „Die hohe Rücklaufquote zeigt: Das Thema Sortenvielfalt ist im Bewusstsein unserer PolitikerInnen stark verankert. Quer durch die Bank ist man sich einig: Die Konzerne sollen nicht bestimmen dürfen, welche Sorten von Gemüse, Obst und Getreide auf dem Markt sind.“ Allerdings unterscheiden sich die Positionen je nach Partei. So stellen etwa die Grünen bereits auf ihren Wahlplakaten klar, dass sie die Saatgutverordnung ablehnen. Auch SPÖ, FPÖ und NEOS geben ein klares Statement pro Vielfalt ab. Bei der ÖVP hingegen möchte sich nicht jede/r in die Karten schauen lassen. „Wer sich ein Bild machen will, geht am besten selbst auf www.freievielfalt.at“, empfehlen Porstner und Niznik.

Die Vielfalt an Gemüse, Getreide und Obst in Europa ist bedroht – zuletzt durch die EU-Saatgutverordnung. Sie war am 6. Mai 2013 unter heftigem Protest der Öffentlichkeit und lautem Jubel der Industrie veröffentlicht worden. EU-weit unterschrieben rund 900.000 Menschen Petitionen gegen die Verordnung, allein in Österreich unterstützen rund 500.000 die Petition „Freiheit für die Vielfalt“. Zur Reform des EU-Saatgutrechts sagen Porstner und Niznik: „In einem neuen Entwurf müssen Vielfaltspflanzen einen gleichberechtigten Zugang zum Markt bekommen – auf Augenhöhe mit modernen Hochzuchtsorten. Das bedeutet, dass die behördliche Zulassung von Sorten in allen Ländern freiwillig werden muss.“