Gemüse

GLOBAL 2000 und das Abfallwirtschaftsinstitut der BOKU Wien führten erstmals eine Erhebung über Lebensmittelverluste in Teilen der österreichischen Landwirtschaft durch. Der Hauptgrund, warum Obst und Gemüse der teilnehmenden Produzenten und Großhändler nicht beim Verbraucher landen, sind übertrieben hohe Vermarktungsnormen des Lebensmitteleinzelhandels.

Hintergründe und Ziele der Erhebung

Für die Erhebung im Auftrag des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft wurden österreichweit 462 ProduzentInnen und 78 LieferantInnen von 24 verschiedenen konventionellen Obst- und Gemüsesorten, die hauptsächlich an den Lebensmitteleinzelhandel liefern, schriftlich nach den Verlusten im Jahr 2013 befragt, rückgemeldet haben 287 ProduzentInnen und 71 LieferantInnen. Erhoben wurde, warum Produkte nicht im Handel landen, ob die Lebensmittel anders vermarktet oder weitergegeben werden, und warum bereits Verluste bei der Ernte anfallen. Die Erhebung liefert erstmals in Österreich eine Orientierung über die Gründe von Lebensmittelverlusten in der österreichischen landwirtschaftlichen Produktion. Aussagen über die Menge der Verluste in der gesamten österreichischen Landwirtschaft können auf Basis der Erhebung jedoch nicht getroffen werden, da die Berücksichtigung nur einer Ernte und die Anzahl der befragten Betriebe diesbezüglich repräsentative Aussagen nicht erlauben.

Übertriebene Vermarktungsnormen Hauptgrund für Lebensmittelverluste

Aus der Erhebung lässt sich ableiten, dass der Hauptgrund für Nicht-Ernten bzw. den ausbleibenden Verkauf der landwirtschaftlichen Erzeugnisse an den Handel ist, dass diese nicht den Vermarktungsnormen, primär dem gewünschten Aussehen, entsprechen. „Das Nicht-Erfüllen von Vermarktungsnormen des Lebensmitteleinzelhandels ist bei allen Produkten für mehr als die Hälfte der Lebensmittelverluste verantwortlich“, so Gudrun Obersteiner vom Abfallwirtschaftsinstitut. Lediglich in der untersuchten Apfelproduktion sind weniger dem Schönheitsdruck ausgesetzt, da ein Teil der Ware, die nicht in den Geschäften landet, direkt vermarktet wird oder an die Lebensmittelindustrie verkauft wird. Auch Erdbeeren werden häufig anders vermarktet.

Weitere Gründe für Lebensmittelverluste, die sich aus der Erhebung ergeben, sind oftmals kulturspezifisch: Ein Teil der Produkte war z.B. aufgrund von feuchtebedingten Lagerverlusten nicht genießbar, relativ hoch war dieser Anteil bei Äpfeln und Zwiebeln. Erdbeeren oder Salat konnten zum Teil aufgrund von Schäden durch die Witterung nicht geerntet bzw. verkauft werden. Bei Kartoffeln wurde angegeben, dass eine nennenswerte Menge der nicht vermarkteten Ware u.a. als Tierfutter eingesetzt werde, aus Chinakohl, Tomaten, Erdbeeren und Jungzwiebel wird in Biogasanlagen Energie erzeugt. Marktüberschuss stellt für Häuptelsalat einen wichtigen Grund für Verluste dar, die Erntetechnik spielt bei Kartoffeln und Lauch eine Rolle.

Unter den erhobenen Daten wiesen in Bezug auf die potenzielle Gesamtmenge Chinakohl mit 27%, Eisbergsalat mit 24% und Erdbeeren mit 22% die höchsten Verluste auf, gefolgt von Radieschen, Tomaten und Zuckermais mit jeweils zwischen 20% und 18%. Die geringsten Verluste fanden sich mit 1,7% bei Zwiebel, gefolgt von Paprika (Glashaus) (0,7%) und Tomaten (Glashaus) (0,6%).

Nächste Schritte – Beispiel „Wunderlinge“

„Der Lebensmitteleinzelhandel ist dringend gefordert, Schritte zu setzen, um übertrieben hohe Vermarktungsnormen zu senken. KundInnen sind bereit, auch krummes oder vermeintlich unschönes Obst und Gemüse zu kaufen, wenn Sie über die Folgen des grassierenden Schönheitswahns Bescheid wissen. Und eine „zweibeinige“ Karotte schmeckt genauso gut wie ihre vermeintlich makellose Schwester.“, so Bernhard Wohner von GLOBAL 2000. Als erfolgreiches Beispiel nennt Wohner z.B. die Eigenmarke „Wunderlinge“, die seit Herbst 2013 bei REWE erhältlich ist. Dabei wird Gemüse angeboten, das nicht den herkömmlichen Schönheitskriterien entspricht.

Diese erste Erhebung stellt eine Basis dar, die helfen soll, die Ursachen für Lebensmittelverluste in der Landwirtschaft besser zu verstehen und Verluste zu verringern. "Um einen besseren Überblick über die Lebensmittelverluste in der Landwirtschaft und deren Gründe zu erhalten, bedarf es einer größeren Stichprobe, sowie eines längeren Beobachtungszeitraumes. Daher wurden die Auftragnehmer mit einer Fortschreibung der Erhebung für die Jahre 2014 und 2015 beauftragt“, so Christine Hochholdinger, Leiterin der Abteilung Abfallvermeidung, -verwertung und -beurteilung im BMLFUW.