Hunderte Imker und UmweltschützerInnen fordern: BM Berlakovich, beenden Sie das Bienensterben!“

(Wien, 6. Juli 2011) Über 200 Imker in voller Montur und AktivistInnen der Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 versammeln sich heute um 10:00 Uhr vor der Wiener Staatsoper und fordern: „Minister Berlakovich, beenden Sie das Bienensterben. Sie haben es in der Hand, Sie können die Bienen endlich durch ein Verbot der bienenschädlichen Pestizide schützen!“ In Italien, Frankreich, Deutschland und unlängst in Slowenien wurden diese Pestizide der Wirkstoffgruppe Neonicotinoide bereits verboten. In Österreich beginnt aber durch die nun einsetzende Maisblüte für die Bienen wieder eine höchstgefährliche Zeit. „Die Maisbeize treibt nun im wahrsten Sinne des Wortes giftige Blüten. Das Gift in den Maispollen wird auch in diesem Jahr wieder Millionen Bienen schädigen“, so Werner Müller, Bienenexperte von GLOBAL 2000. Maispollen dient vor allem für die langlebigen Winterbienen als Nahrung, und diese Bienen sind enorm wichtig für das Überleben des ganzen Bienenvolkes. 2010 war bereits das dritte Jahr in Folge, in dem weit über tausend Bienenvölker nachweislich durch Maisbeizmittel vergiftet wurden. Heuer sind Verluste in eben dieser Größenordnung zu erwarten. Bienen und Wildbienen werden durch Neonicotinoide in drei Phasen getötet: Die erste Giftwelle erfolgt Ende Mai mit der Maisaussaat durch giftige Staubabriebe des Maisbeizmittels. Die zweite Welle erfolgt ca. drei bis vier Wochen später, wenn der Mais winzige Gifttröpfchen ausschwitzt, von denen die Bienen trinken. Die dritte Welle ist nun die Maisblüte.

Trotz dieser Tatsache setzt das Lebensministerium lediglich auf gesetzliche Auflagen beim Ausbringen der Beizmittel, deren Wirksamkeit durch das ungeminderte Bienensterben widerlegt ist. „Die einzig wirksame Maßnahme die Bienen zu schützen, ist das Verbot der neonicoteinhaltigen Beizmittel. Deren Anwendung kann gänzlich ausgesetzt werden, da die bekämpften Schädlinge, hauptsächlich Drahtwürmer und der Maiswurzelbohrer durch eine Fruchtfolge kontrollierbar sind“, erklärt Müller. „Statt den Bauern und BäuerInnen die Schuld am Bienensterben zuzuschieben – da diese die zum Teil absurden Auflagen des Ministeriums nicht einhalten können – sollte Minister Berlakovich sie besser beim Umstellen auf ökologisch sinnvolle Fruchtfolge unterstützen“, so Müller weiter.

Die Maismonokulturen sind zudem eine massive Gefährdung der Wildbienen, die in den „Agrarwüsten“ keine Nistplätze finden. "Die Honigbiene ist nur die Spitze des Eisberges - sie hat uns Imker, wir schreien für sie auf. Es müssen aber auch alle Wildbienen, Hummeln, Schmetterlinge, alle Bestäuber-Insekten vor diesen Giften geschützt werden", so Mag. Maximilian Liedlbauer, Vizepräsident des Österreichischen Imkerbundes, Präsident des Landesverbandes Oberösterreich. Dr. Stefan Mandl, Koordinator der Arbeitsgemeinschaft Bienenforschung an der Universität für Bodenkultur Wien, warnt ebenso: "Neonicotinoide destabilisieren unser Ökosystem durch massenhaftes Töten von Insekten und Bodenlebewesen." Aktuelle Studien belegen, dass diese Pestizide neben den kurzfristigen (akut toxischen) tödlichen Wirkungen auch langfristig schleichend die Gesundheit der Bienen gefährden. Dies deckt sich mit den Beobachtung vieler Imker, dass Bienen sogar in der Stadt besser überleben als am Land.

Als Ort der Demonstration wurde bewusst die Wiener Oper gewählt, da auf deren Dach vom Umweltminister Bienenstöcke aufgestellt wurden, um auf die wichtige Rolle der Biene für die Biodiversität aufmerksam zu machen. „Eine PR-Aktion für Bienen ist schön und gut, wenn aber gleichzeitig vom verantwortlichen Politiker nichts gegen das Bienensterben unternommen wird, ist das mehr als zynisch“, befindet Müller. „Wir fordern, Minister Berlakovich daher auf, endlich die Neonicotinoide in der Landwirtschaft zu verbieten. Bienenmord ist kein Kavaliersdelikt!“

 

Fotos der heutigen Aktion: www.flickr.com/photos/global2000

 

Links zu aktuellen Studien:

Alaux et al (2010) Interactions between Nosema microspores and a neonicotinoid weaken honeybees (Apis mellifera) http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1462-2920.2009.02123.x/full

Wu et al (2011) Sub-Lethal Effects of Pesticide Residues in Brood Comb on Worker Honey Bee (Apis mellifera) Development and Longevity http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0014720

 

Videos

Bienen die Gutationswasser vom Giftmais trinken, sterben binnen einer Minute:

http://www.youtube.com/watch?v=5LnOpiUUs9Y

Bienensterben durch Maisaussaat in Freistadt:

http://www.youtube.com/watch?v=XXjvByZHG6Y&feature=related

 

Kontakt:

Simonne Baur, Tel: 0699 14 200023, mailto: presse@global2000.at

Werner Müller, Tel: 0699 14 2000 37