Neuer Ressourcenreport zeigt erstmals Zusammenhang zwischen Material- und Wasserverbrauch Die Umweltschutzorganisation

(Wien, 3. November 2011) GLOBAL 2000 und SERI (Sustainable Europe Research Institute) präsentieren heute den neuen globalen Ressourcen-Report "WIE GEWONNEN, SO ZERRONNEN. Vom steigenden Ressourcenverbrauch und den Auswirkungen auf Wasser“. Dieser Bericht wird gleichzeitig in Wien, Paris, London, Prag, Brüssel und Budapest vorgestellt und zeigt erstmals den Zusammenhang zwischen dem weltweiten Materialverbrauch und dem enormen Verbrauch der Ressource Wasser.

Wasser wird für nahezu alle Stufen des Materialflusses benötigt. Mit dem zunehmenden weltweiten Handel an Materialien und Produkten ist daher auch der Verbrauch des sogenannten „virtuellen“ Wassers - des Wassers, das für die Erzeugung von vielen Produkten benötigt wird - stetig angestiegen. “Der direkte Wasserverbrauch – etwa durch Trinken, Kochen oder Waschen – macht nur einen Bruchteil des europäischen Wasserverbrauchs aus. Der Großteil entsteht durch den Konsum von Gütern, die in ihrer Produktion sehr wasserintensiv sind. Mit dem Import von solchen Produkten konsumieren wir hier in Europa gleichsam Wasser aus anderen Regionen der Welt”, berichtet Lisa Kernegger, Ökologin von GLOBAL 2000. Die beträchtlichen Mengen an Gütern, die in Europa konsumiert werden, wie etwa Lebensmittel und andere landwirtschaftliche Produkte wie Baumwolle, werden häufig in anderen Weltregionen angebaut oder produziert. “Unser Konsum übt demnach indirekt Druck auf die Wasserressourcen anderer Länder aus. Paradoxerweise wird oft ein großer Teil des Wassers in Ländern mit geringen Süßwasserreserven für die Produktion von Exportgütern für wasserreiche Länder verwendet. Das hat zu bedenklichen Veränderungen der regionalen Wasserversorgungssituationen geführt”, erklärt Stephan Lutter, Ressourcenexperte von SERI.

Der Bericht bestätigt: Eine kleine Minderheit der Weltbevölkerung hat einen alarmierend hohen Ressourcenverbrauch. In Europa, Nordamerika und Ozeanien lebt insgesamt etwa ein Viertel der Weltbevölkerung. Dieses Viertel verbraucht fast so viele Rohstoffe wie die restlichen drei Viertel der Weltbevölkerung in allen anderen Weltregionen zusammen. Europa ist so wie keine andere Weltregion auf Ressourcenimporte angewiesen. In Europa wurden im Jahr 2004 pro Tag etwa 34 Kilogramm an Materialien pro Kopf gefördert, aber 55 Kilogramm konsumiert. Es bedarf dringend fundamentaler Veränderungen im Umgang mit den natürlichen Ressourcen - auf allen Ebenen: in der Wirtschaft, in der Politik und auf der persönlichen Ebene. Den Ressourcenverbrauch zu verringern ist auch eine wirtschaftliche Chance und würde Europa unabhängiger von Importen machen. “Es müssen politische Rahmenwerke geschaffen werden, die eine Senkung des Ressourcenverbrauchs verbindlich machen, denn nur so ist eine nachhaltige Zukunft möglich. Die Politik ist aufgerufen, schnell zu handeln, denn mit 'business as usual' berauben wir die nächsten Generationen ihrer Lebensgrundlage”, fordern Kernegger und Lutter. Kernegger erklärt weiters: „Es ist sehr erfreulich, dass derzeit an einem österreichischen Aktionsplan für Ressourceneffizienz gearbeitet wird. Allerdings befürchten wir, dass dabei wie so oft in der Umweltpolitik auf Verbindlichkeiten verzichtet wird.“

Um auf europäischer und globaler Ebene Ressourcen einsparen zu können, ist es essentiell, zuerst einmal alle Inputs von natürlichen Ressourcen entlang der gesamten Produktionskette von Gütern und Dienstleistungen zu messen. Erst dann können Bereiche mit besonders dringendem Handlungsbedarf ermittelt und geeignete Strategien entwickelt werden. Weiters sollten die Folgen von neuen Gesetzen in Hinblick auf diese 'Ressourcenfußabdrücke' evaluiert werden, um mögliche unerwünschte Umweltauswirkungen zu erkennen und die Regelwerke dementsprechend zu adaptieren.

Der Report kann kostenfrei unter report.global2000.at heruntergeladen werden.

 

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