PRESSEINFORMATION

Ausstellungseröffnung zum Thema Uranabbau in Wien

Wien (5. November 2008). Die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 warnt am heutigen dreißigjährigen Jubiläum von Österreichs „Nein zu Zwentendorf“ vor einer Rückkehr des Uranabbaus nach Europa. In Kooperation mit der Stadt Wien, der Wiener Umweltanwaltschaft, dem Ökologie-Institut und weiteren Partnern findet heute um 11:00 Uhr die Eröffnung einer Ausstellung zu diesem Thema in der Wiener Umweltanwaltschaft statt. Silva Herrmann, Anti-Atom-Sprecherin von GLOBAL 2000: „Die Mär von der sauberen Atomkraft bekommt bei genauerem Hinsehen schnell schmutzige Flecken. Und: Das Risiko der Atomkraft für Gesundheit und Umwelt beginnt bereits beim Abbau des Rohstoffs Uran.“

Europas Atomkraftwerke werden bisher mit Uran aus Kanada, den Nachfolgestaaten der Sowjetunion, dem Niger und Australien betrieben. Weil Uranreserven weltweit geringer werden, erscheinen die europäischen Vorkommen für den Abbau wieder interessanter. Uranabbaumöglichkeiten werden etwa in Tschechien, der Slowakei und Ungarn exploriert. „Eine mögliche Wiederaufnahme der Uranförderungen ginge auf Kosten von Umwelt und Gesundheit in diesen Ländern“, warnt Herrmann.

Fallbeispiel Tschechien:
Zur Zeit ist in Tschechien eine Uranabbaustätte in Betrieb, die Uranmine Rožná in Südmähren. Sie sollte eigentlich im Jahr 2003 geschlossen werden, der Betrieb ist aber nun mehr unbegrenzt auf der Basis eines Regierungsbeschlusses verlängert worden, eine Ausweitung ist in Vorbereitung, weil neue Vorkommen entdeckt wurden. In der Nähe befinden sich noch die Lagerstätten Polná, Jamné und Brzkov. Hier beantragte „Urania Mining“ Probebohrungen durchführen zu dürfen. Die umliegenden Gemeinden sprachen sich bisher dagegen aus. Gleichfalls ins Visier genommen für den Uranabbau wird das Vorkommen in Kotel in der Nähe von Liberec in Nordböhmen. Das Vorkommen wird auf rund 20.000 Tonnen geschätzt. Die betroffenen Gemeinden haben sich auch hier gegen den Abbau ausgesprochen. Urania Mining hat angekündigt, Einspruch beim Umweltministerium gegen diese Entscheidung einzulegen. Dabei stehen die Chancen für Urania Mining nicht schlecht, denn das von den Grünen besetzte Umweltministerium könnte gezwungen sein, die neue Energiestrategie Tschechiens zu berücksichtigen. Und diese sieht sehr wohl den Uranabbau vor, denn das Wirtschaftsministerium träumt von der Uranversorgungsautonomie für die bestehenden wie auch die künftigen Reaktoren von Temelin 3 und 4. Außerdem wurden trotz des ablehnenden Bescheids auf der anderen Seite Tatsachen geschaffen: die gesetzlich vorgeschriebene Schutzzone aufgrund der Uranvorkommen wurde jedenfalls schon eingerichtet.

Fallbeispiel Slowakei: Uran oder Wald?
Die Wälder rund um Košice sind das größte Waldgebiet Europas, das um eine Stadt herum liegt – nach dem Wienerwald. Es ist ein ökologisch wertvolles Gebiet und daher auch in das Netz von NATURA 2000 aufgenommen. Die rechtliche Lage zum Uranabbau ist unklar: Einerseits ermöglicht die aktuelle Gesetzgebung der Slowakei zur Zeit keine Privatisierung der Lagerstätten von nicht nachwachsenden Rohstoffen. Und auch die aktuelle Raumplanung sieht keinen Abbau von Uran und Molybdän vor. Dennoch wurde die Exploration der Uranvorkommen genehmigt und durchgeführt, vor allem aufgrund des großen politischen Drucks vom Wirtschaftsministerium der SR und der Beharrlichkeit der Uranfirmen. Die 2007 von Tournigan Gold aus Kanada in Jahodná durchgeführten Bohrungen waren für die Firma zufriedenstellend, der notwendige Antrag auf „Festlegung des Abbaugebiets“ wurde nach verschiedenen Meldungen bereits von der Umweltschutzbehörde Košice positiv beantwortet und der erste Schritt in Richtung Abbau ermöglicht. Das geförderte Uran würde exportiert und außerhalb der Slowakei verarbeitet. Der Profit ginge damit ins Ausland, der Slowakei würden zerstörte Landschaft und Umwelt bleiben. Der Widerstand der lokalen Bevölkerung ist stark, unterstützt von mehreren slowakischen Umweltorganisationen. Wer sich am Ende durchsetzt - Profitinteresse oder Umwelt- und Menschenschutz - ist eine derzeit offene Frage.

Die Ausstellung „The Return of Uranium Mining to Europe“ wurde erstellt durch das Österreichische Ökologie Institut, die Umweltschutzorganisationen Calla (Tschechische Republik) und Energiaklub (Ungarn) und unterstützt von GLOBAL 2000.

Weitere Informationen:

GLOBAL 2000 Presse: Lydia Matzka-Saboi, Tel.: 0699/14 2000 26 und Ruth Schöffl, Tel.: 0699/14 2000 19, E-Mail.: presse@global2000.at
GLOBAL 2000 Anti-Atom-Sprecherin: Silva Herrmann, Tel.: 0699/14 2000 17, E-Mail: silva.herrmann@global2000.at

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