Studie belegt Zusammenhang von BPA und weiblicher Unfruchtbarkeit - UmweltschützerInnen fordern BPA-Aktionsplan

(Wien, 15. Juli 2010). Die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 warnt erneut vor der Plastikchemikalie Bisphenol A (BPA). „Eine neue Studie legt den Zusammenhang von BPA und Unfruchtbarkeit bei Frauen nahe. Die Plastikchemikalie kann den Hormonhaushalt gravierend stören und zu Erkrankungen der Eierstöcke führen“, berichtet Daniela Hoffmann, Chemieexpertin von GLOBAL 2000. Am jährlichen Treffen der Endocrine Society wurde eine breit angelegt Studie präsentiert, die einen Zusammenhang von BPA und polyzystischem Ovariensyndrom (PCOS) nahe legt. Schätzungsweise 5-10% der weiblichen Bevölkerung im zeugungsfähigen Alter leiden an PCOS, dass durch Störungen im Hormonhaushalt verursacht wird, und als Hauptverursacher weiblicher Unfruchtbarkeit gilt. Frauen, die an PCOS leiden, weisen einen wesentlich höheren Gehalt an BPA in ihrem Blutserum auf. Es wird vermutet, dass BPA die Reifung der weiblichen Eizellen beeinträchtigt.

Bereits Anfang des Jahres kam eine Studie, an der unter anderem die Universität Harvard beteiligt war, zu einem ähnlichen Ergebnis. Frauen, die sich Hormonbehandlungen im Zuge künstlicher Befruchtung unterzogen, wurden auf den BPA Gehalt in ihrem Urin untersucht. Jene Frauen mit höheren BPA Gehalten produzierten weniger Eizellen, was auf eine Störung der Follikelreifungsprozesse, ausgelöst durch BPA zurückgeführt wurde. BPA kann aber nicht nur die Reifung der Eizellen, sondern auch den Verlauf einer Schwangerschaft beeinträchtigen. Bereits 2005 erschien dazu die Studie einer japanischen Forschergruppe, die wiederholte Fehlgeburten mit erhöhten BPA Werten im Blutserum in Verbindung brachte.

Enthalten ist die Hormonchemikalie in vielen Produkten des täglichen Gebrauchs. BPA dient unter anderem als Ausgangsprodukt für die Herstellung von Epoxidharzen, die für die Innenbeschichtung von Getränke- und Konservendosen verwendet werden, und Polykarbonatkunststoffen. Beide Materialien kommen über ihre Verwendung in Lebensmittelverpackungen mit unserer Nahrung in Berührung und verunreinigen diese mit BPA. Unabhängige ForscherInnen weisen seit Jahrzehnten auf gefährliche hormonähnliche Eigenschaften der allgegenwärtigen Massenchemikalie hin. Viele weit verbreitete Zivilisationskrankheiten, wie Diabetes, Herz- Kreislauferkrankungen und Krebs werden bereits in Zusammenhang mit BPA gebracht.

GLOBAL 2000 fordert deshalb von Minister Stöger, einen Aktionsplan zur Reduzierung von BPA festzulegen. „Beginnend mit Produkten für Kleinkinder, die besonders sensibel auf BPA regieren, muss BPA aus allen Lebensmittelverpackungen verschwinden“, fordert Hoffmann.

The Endocrine Society (2010, June 25). Women with polycystic ovary syndrome have higher BPA blood levels, study finds. ScienceDaily. Retrieved July 6, 2010, from

Mok-Lin E (2010) Urinary bisphenol A concentrations and ovarian response among women undergoing IVF. International Journal of Andrology 33:385-393

Sugiura-Ogasawara m (2005) Exposure to bisphenol A is associated with recurrent miscarriage. Human reproduction 20:2325-2329

Polyzystischem Ovariensyndrom (PCOS) Das Ausbleiben des Eisprungs und das damit einhergehende Verbleiben der halbreifen Eizellen (Follikel) im Eierstock führt zum Krankheitsbild der polyzystischen Ovarien. Streng genommen handelt es sich nicht um Zysten sondern um Follikel, die an der Oberfläche der erkrankten Eierstöcke zu sehen sind.

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