Wien (4.6.2013): Nach dem Jahrhundert-Hochwasser im Jahr 2002 ist heuer ein großer Teil Österreichs wieder von schweren Überflutungen betroffen. In wenigen Tagen fielen Regenmengen, die normalerweise in ein bis zwei Monaten auftreten. Es ist bereits das zweite „Jahrhunderthochwasser“ im 21. Jahrhundert. „Schäden an Personen, Leib und Leben wiegen am schwersten, aber auch manche Sachschäden haben großen Wert und können nur schwer ersetzt werden. Wir fühlen mit den Betroffenen, möchten aber auch darüber informieren, dass Österreich in Zukunft sogar von noch stärkeren Hochwassern betroffen sein könnte“, sagt Johannes Wahlmüller, Klimasprecher von GLOBAL 2000.

Die Klimaforschung zeigt, dass sich im Zuge des Klimawandels einige grundlegende Faktoren ändern, die Extremereignisse beeinflussen werden. So ist beispielsweise die Schneefallgrenze in Österreich kontinuierlich im Steigen begriffen, seit 1950 ist sie bereits um 100 Meter hinauf gewandert. Wenn in großen Höhen Regen statt Schnee fällt, steigen die Pegelstände der Flüsse noch höher. In Österreich wird ein weiterer Anstieg der Schneefallgrenze erwartet, pro Grad Temperaturerwärmung um etwa 150 Meter. Schon bis Mitte des Jahrhunderts ist ein Anstieg der Temperatur im Alpenraum um weitere ein bis zwei Grad prognostiziert. „Wenn in großen Höhen weniger Schnee und mehr Regen gefallen wäre, wäre das Hochwasser heute noch viel schlimmer ausgefallen. Das gleiche Ereignis hat bei höheren Temperaturen also viel drastischere Auswirkungen, mit den niedrigen Temperaturen im Moment haben wir also ein bisschen Glück im Unglück“, erklärt Wahlmüller.

Weiters halten es Klimawissenschafter für sehr wahrscheinlich, dass im Zuge der Erwärmung des Mittelmeeres mehr Wasser verdunsten wird, was potenziell zu höheren Regenmengen führen kann. Je nach Wetterlage kann diese dann dort zu heftigeren Starkregenereignissen führen, wo die Wolkenfront dann auftrifft - häufig sind das die Alpen. Das Risiko erhöht sich aber auch mit der immer weiter voranschreitenden Verbauung in Österreich. Allen Warnungen zum Trotz werden pro Tag in Österreich 20 Hektar Land für Straßen, Gebäude und Infrastruktur geopfert - pro Jahr ist das eine Fläche, die größer ist als die Stadt Salzburg. „Bebautes Land verliert nicht nur all seine ökologischen Funktionen, es kann dort auch kein Wasser versickern. In der Folge steigt das Hochwasserrisiko weiter an. In der Raumordnungspolitik sollten deshalb rasch weiterführende Schritte gesetzt werden, die die Zersiedelung in die Schranken weisen“, fordert Wahlmüller.

Für GLOBAL 2000 sollte das derzeitige Jahrhunderthochwasser ein Anlass zum Umdenken sein: Es müssen endlich Maßnahmen ergriffen werden, die gewährleisten, dass die österreichische Bevölkerung möglichst große Sicherheit vor Hochwassergefahren bekommt. „Den betroffenen Menschen muss rasch und unbürokratisch geholfen werden, es sollten dann aber auch Strategien verfolgt werden, die die langfristigen Klimagefahren minimieren. Das bedeutet vor allem, dass Österreich seinen fairen Beitrag zur Verringerung von Klimagefahren leistet und ambitionierte Zielsetzungen auf EU-Ebene unterstützt“, betont Wahlmüller abschließend. Ein Hintergrundpapier von GLOBAL 2000, das einen Überblick über das heute vorhandene Wissen rund um den Zusammenhang von Hochwasserereignissen und dem Klimawandel gibt, finden Sie hier: