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Einsatz von Gentech-Baumwolle macht Baumwollschädling immun gegen Pflanzenschutzmittel

Wien (12. Februar 2008) In einer aktuellen Studie der Universität Arizona wurde erstmals in freier Natur nachgewiesen, dass der Einsatz von Gentech-Bauwolle zu Resistenzbildungen beim Baumwollkapselbohrer führt. Diese Raupe ist der Hauptschädling bei der Baumwollproduktion. Die Schädlinge sind permanent den von den Pflanzen produzierten Giften ausgesetzt und werden dagegen immun. Mit der Zeit kann dies zur massiven Ausbreitung der resistenten Exemplare führen, womit das Bt-Gift seine Wirksamkeit verliert. „Die Studie belegt nun erstmals, dass sich durch den Einsatz von Gentech-Pflanzen die Wahrscheinlichkeit neuer Plagen massiv erhöht. Wieder erweist sich der von der Biotech-Industrie versprochene Nutzen der Gentechnik in der Landwirtschaft als leeres Versprechen. Anstatt zu einem verringerten Einsatz von Pestiziden zu führen, wird es die Resistenzbildung der Schädlinge notwendig machen, immer mehr und stärkere Giftstoffe einzusetzen. Das zieht dramatische Umweltfolgen nach sich“, kritisiert Jens Karg, Gentechniksprecher der Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000.

Die WissenschaftlerInnen hatten Baumwollpflanzen in den USA untersucht, die ein zusätzliches Gen aus dem Bodenbakterium Bacillus thuringiensis tragen (Bt-Baumwolle).

Die Bt-Toxine, die von insektenresistenten Gentech-Pflanzen produziert werden, unterscheiden sich von den sonst in der Landwirtschaft eingesetzten Bt-Toxinen. Sie treffen ein breiteres Spektrum von Insekten.

Aus dieser Erbanlage entsteht ein Protein, das Zellen im Darm der Schädlinge zerstören soll, in diesem Falle beim Baumwollkapselbohrer. Die Resistenzbildung wurde nach dieser Studie erst in den Anbaugebieten von Mississippi und Arkansas festgestellt. Doch es ist davon auszugehen, dass sie sich schnell ausbreitet. „Eine weitverbreitete Resistenz unter Schädlingen ist eine ernsthafte Bedrohung für eine nachhaltige und umweltfreundliche Landwirtschaft, da diese die Möglichkeit verlieren würde, das natürliche Bt-Mittel wie bisher im Sprühverfahren zu nutzen“, so Jens Karg. In seiner natürlichen Form wird Bt schon seit den 50er Jahren von LandwirtInnen, die biologische und andere naturnahe Anbaumethoden betreiben, als Spray verwendet. Das Spray tötet Schädlinge, ohne dabei andere Tiere zu gefährden.


Weitere Informationen:

GLOBAL 2000 Gentechnik-Sprecher Jens Karg, 0699/14 2000 20

GLOBAL 2000 Presse: Lydia Matzka-Saboi 0699/14 2000 26, Ruth Schöffl 0699/14 2000 19, presse@global2000.at

Die Zusammenfassung der Studie findet sich in: "Insect resistance to Bt crops: evidence versus theory"in "Nature Biotechnology" (Bd. 26, S. 199; doi: 10.1038/nbt1382)