Nein zu Glyphosat! Foto: iStockPhoto/fotokostic

Die Wortmeldungen und das Abstimmungsverhalten der beiden zukünftigen Regierungsparteien ÖVP und FPÖ bei der gestrigen Plenarsitzung stehen in ernüchterndem Kontrast zu ihrer medialen Ankündigung eines nationalen Verbots von Glyphosat.

Während Sebastian Kurz in den Medien die Notwendigkeit eines Glyphosat-Verbots damit begründete, dass das „Risiko für Gesundheit und Umwelt zu hoch“ sei, stellte sein Parteikollege Johannes Schmuckenschlager Stunden später in der Parlamentsdebatte solche Risiken wiederum in Abrede. Die „fachliche Begutachtung“ des Pestizidwirkstoffs Glyphosat durch die Behörden würde „eindeutig seine Unbedenklichkeit beschreiben“, so Schmuckenschlager. Möglicherweise ein Grund, weshalb der Bauernbundpräsident und Nationalratsabgeordnete Georg Strasser wenig Grund zur Eile erkennt und zuerst eine „nationale Machbarkeitsstudie samt Aktionsplan“ in Auftrag geben möchte, um die „Konsequenzen eines österreichweiten Ausstiegs aus Glyphosat abzuklären".

Die FPÖ wiederum warf in der Plenarsitzung ihre frühere Linie zu Glyphosat über Bord. Im Oktober hatten die Freiheitlichen bekanntlich ein „Sofortverbot von Glyphosat“ gefordert und deshalb sogar jener vom EU-Parlament verabschiedeten Resolution, die den schrittweisen Ausstieg aus der landwirtschaftlichen Nutzung bis zum Jahr 2022 und den sofortigem Ausstieg aus der privaten und öffentlichen Nutzung vorsah, die Zustimmung verweigert. Auf die von Robert Menasse in der ORF-Sendung „Im Zentrum“ geäußerte Kritik erklärten die Freiheitlichen: „Fakt ist, dass neue Forschungsergebnisse enorme gesundheitliche Risiken für die Verbraucher bestätigen. Deshalb muss dieses Mittel so schnell wie möglich von Äckern und Tellern verbannt werden.“.

Nur sechs Wochen später gilt für die FPÖ offenbar das Gegenteil. „Ein vorschnelles und sofortiges Verbot würde zu neuen Verschärfungen, vor allem innerhalb der Landwirtschaft, führen“, erklärt nun FPÖ-Umweltsprecher Walter Rauch. Gemeinsam mit der ÖVP wolle man einen „schrittweisen Ausstieg“ im Rahmen eines nationalen Aktions- und Maßnahmenplans einleiten.

Dem von SPÖ und der Liste Pilz unterstützten Gesetzesantrag, der das sofortige bundesweite Verbot des wahrscheinlich krebserregenden Pflanzengifts eingeleitet hätte, verweigerte die FPÖ nun ebenso die Unterstützung wie die ÖVP.

„Der menschliche Gesundheit und die Umwelt eignen sich nicht für politische Spielchen und schon gar nicht für politische Tauschgeschäfte“, erklärt Helmut Burtscher-Schaden, Biochemiker bei GLOBAL 2000 und Autor des Buches ‚Die Akte Glyphosat‘: „Wenn es den beiden zukünftigen Regierungsparteien ernst ist mit ihren Ausstiegsplänen für Glyphosat, dann können sie das noch heuer beweisen, indem sie Anwendungsverbote mit sofortiger Wirkung für glyphosathaltige Pestizide in öffentlichen Parks, auf Spielplätzen und in privaten Hausgärten in die Wege leiten. Für den Ausstieg in der Landwirtschaft braucht es rasch einen verbindlichen Zeitplan.“

Dr. Helmut Burtscher-Schaden ist vom Public Relations Verband Austria (PRVA) für den/die “KommunikatorIn des Jahres 2017“ nominiert http://bit.ly/2ifHeb4
Die Jury-Begründung: Dr. Helmut Burtscher-Schaden beschäftigt sich schon seit dem Jahr 2001 im Einsatz für die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 mit den Auswirkungen von Chemikalien, insbesondere Pestiziden, auf Mensch und Umwelt. In seinem aktuellen Buch „Die Akte Glyphosat: Wie Konzerne die Schwächen des Systems nutzen und damit unsere Gesundheit gefährden“ geht er der Frage nach, wie Konzerne die Gesundheit des Menschen gefährden. Die Details, die er rund um geheime Studien der Hersteller ans Licht bringt, eröffnen erschreckende Einblicke in die Verstrickungen zwischen Industrie, privaten Prüfinstituten und Kontrollbehörden. Der Umweltchemiker ist u.a. einer der sieben Initiatoren der Europäischen Bürgerinitiative „Stop Glyphosat“ und in Österreich DIE warnende Stimme rund um den Glyphosat-Skandal. Unaufgeregt und sachlich schafft er es, wissenschaftliche Hintergründe verständlich zu „übersetzen“.