Anlässlich der heute beginnenden Tagung des European Nuclear Energy Forum (ENEF) in Prag hält Dr. Reinhard Uhrig, Atomsprecher der österreichischen Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000, fest: "Dieses 'Forum' wird von keinerlei zivilgesellschaftlichen Organisationen mitgetragen und ist rein zu einer Propaganda-Show der Atom-Befürworter verkommen. Die Premierminister der Tschechischen und Slowakischen Republiken sowie EU-Energiekommissar Miguel Arias Cañete und Vizevorsitzender Maroš Šefčovič als Vertreter der Europäischen Kommission müssen endlich den Kopf aus dem Sand ziehen, was die Atomenergie-Nutzung in Europa betrifft - und auch die großen Probleme diskutieren."

UVPs für Uralt-AKWs und Neubauten sind ein Muss!
Ein zentrales Problem der Atomkraft-Nutzung in Europa ist die Überalterung der Reaktor-Flotte. Die zentrale Forderung der NGOs* ist die grenzüberschreitende Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für Atom-Reaktoren, deren Laufzeit über die ursprüngliche Auslegungs-Laufzeit von 30 Jahren verlängert werden sollen. „Die BürgerInnen müssen Gelegenheit haben, über diese Pläne informiert zu werden und sich gegen dieses enorme nukleare Risiko auszusprechen“, so Uhrig. „Alt-AKWs mit dem zunehmenden Risiko durch die Alterung der Komponenten müssen nach harten Kriterien durch die UVP-Prüfung, sonst ist ein Weiterbetrieb ein unverantwortliches Hasard-Spiel. Die Politiker müssen der Sicherheit und Gesundheit der europäischen Bevölkerung Vorrang geben!“

Uhrig verweist auch auf die Zusagen des österreichischen Umweltministers Andrä Rupprechter vom Februar 2015, sich bei seinem tschechischen Amtskollegen für die Umsetzung dieses internationalen Rechts einzusetzen - damit der Alt-Reaktor Dukovany 1, dessen Betriebserlaubnis Ende 2015 abläuft, noch dieses Jahr einer UVP unterzogen wird. „Ebenso müssen neue Reaktoren einer UVP unterzogen werden, dann wird ersichtlich werden, dass am Standort Dukovany auf keinen Fall genug Kühlwasser für zwei weitere Reaktoren zur Verfügung stehen wird,“ so Uhrig. GLOBAL 2000 hat zusammen mit tschechischen NGOs schon zum dreißigsten „Geburtstag“ des Reaktors 1 in Dukovany im Feber mit GPS-Sendern ausgestattete Luftballons vor dem Reaktor steigen lassen, die in nur knapp einer Stunde über die österreichischen Grenze verweht wurden – die Ausbreitung einer radioaktiven Wolke im Falle eines Störfalls wäre genauso unaufhaltsam.

Vielfältige Probleme – keine Lösungen
Die NGOs fordern nun die Politiker in einem gemeinsamen offenen Brief auf, sich ernstzunehmend mit den vielfältigen Problemen der Atomenergie-Nutzung auseinanderzusetzen, unter anderem der vollkommen unzureichenden Entschädigungen bei schweren Unfällen wie auch der ungelösten Atommüllproblematik in allen Staaten der EU.

*Der Brief mit den Forderungen wurde unterzeichnet von VertreterInnen der Allianz für Energieunabhängigkeit, Calla, Hnutí DUHA / Friends of the Earth Czech Republic, GLOBAL 2000 / Friends of the Earth Austria, Friends of the Earth Europe, der Bürgerintiative für Umweltschutz und den Südböhmischen Müttern.

Offener Brief
Den Offenen Brief schicken wir Ihnen auf Anfrage gerne zu.

Google Maps-Karte der Europäischen Reaktoren und ihrer Störfälle:
www.global2000.at/atomkraft-europa-es-gibt-keine-sicheren-akws