Vor allem Industrieländer stehlen sich aus der Verantwortung

(Durban, 11. Dezember 2011) - Die Klimakonferenz in Durban, von der sich niemand etwas erwartet hatte, wurde zur Überraschung: Es gelingt tatsächlich einen Fahrplan für ein Klimaabkommen festzulegen, das alle Staaten einschließt. Für GLOBAL 2000-Klimasprecher Johannes Wahlmüller allerdings kein Grund in Jubel auszubrechen: "Eigentlich sollten wir längst ein Klimaabkommen haben, jetzt kommt das Abkommen erst Jahre später, vielleicht sogar erst 2020, das geht viel zu langsam". Die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 kritisiert darüber hinaus mangelnde Ambitionen im Klimaschutz: "Wir wissen, dass wir dringend größere Anstrengungen der Staaten brauchen, aber das war in Durban nicht einmal Thema. Ein weiteres Jahr im Kampf gegen die Klimakrise wurde damit verschenkt", erklärt Johannes Wahlmüller.

Hilfe für Entwicklungsländer

 Nach einem Verhandlungsmarathon und einer Verlängerung der Konferenz um einen vollen Tag, wurde das sogenannte "Durban-Package" heute morgen angenommen: Es enthält die Einrichtung eines "Green Climate Fund", die Annahme einer zweiten Verpflichtungsperiode des Kyotoprotokolls und die Einrichtung einer Arbeitsgruppe, die ein globales Abkommen bis 2015 vorbereiten soll. "Besonders die Einrichtung des "Green Climate Funds" war eine Priorität der Südafrikaner", erklärt Wahlmüller. Afrika ist der Kontinent, der wohl am stärksten von der globalen Erwärmung betroffen ist. "Jetzt muss der Fond aber auch befüllt werden, damit auch tatsächlich jenen geholfen werden kann, die es am meisten brauchen", fordert Wahlmüller.

Industrieländer stehlen sich aus der Verantwortung

Gleichzeitig kritisiert GLOBAL 2000, dass sich vor allem Industrieländer aus der Verantwortung stehlen: "Ursprünglich war vorgesehen, dass reiche Industrienationen beispielhaft vorangehen - jetzt stehlen sich vor allem die USA, Kanada, Japan und Russland für die nächsten Jahre erst einmal davon, das wird in den Entscheidungen von Durban einfach toleriert," empört sich Wahlmüller. Erst vor kurzem hatte eine Studie vom Stockholm Institut (SEI) festgestellt, dass Entwicklungsländer schon heute mehr zum Klimaschutz beitragen als Industrieländer. Wahlmüller: "Länder, wo ein großer Teil der Bevölkerung in Armut lebt, unternehmen mehr Anstrengungen als reiche Industrieländer - das ist ungerecht und kann nicht einfach hingenommen werden."

 

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