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Atomlobby versucht ihr Comeback – EURATOM hilft mit!

Wien (5. September 2008). Mit einer massiven Lobbykampagne versucht die Atomlobby ein Comeback - und EURATOM hilft hier kräftig mit: Das neue Atomförderprogramm unter EURATOM (Laufzeit 2007-2011) ist mehr als doppelt so hoch dotiert wie sein Vorgängerprogramm. Bereits in der Vergangenheit finanzierte EURATOM die Erforschung der Atomenergie und gewährte Milliarden von Euro als Kredite für die Errichtung oder Modernisierung von Atomkraftwerken. Als Resultat ist die EU heute die weltweit führende Erzeugerin von Atomenergie. Die EU-27 haben 149 Reaktoren in Betrieb und erzeugen damit fast ein Drittel ihres Strombedarfs, mehr als Nordamerika, Japan oder Russland.

Die europäische Energiepolitik befindet sich am Scheideweg: Der atomare Kraftwerkspark ist überaltert, denn seit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl befand sich die Atomlobby im Niedergang. Im Jahr 1989 wurden insgesamt 177 Atommeiler in den jetzigen 27 EU-Mitgliedstaaten betrieben. Diese Zahl sank bis zum 1. November 2007 auf 146 Reaktoren. Und in den nächsten Jahren müssen viele Reaktoren aus Altersgründen vom Netz. Daher ist es für die Atomlobby nun entscheidend, Neubauten und Laufzeitverlängerungen durchzusetzen.

Silva Herrmann, Energiesprecherin von GLOBAL 2000: „EURATOM ist ein Relikt aus der Energiesteinzeit. Es gibt keinen Grund für die exklusive Bevorzugung einer Energieform, die seit 50 Jahren keine Lösungen für die chronischen Sicherheitsprobleme, die mangelnde Wirtschaftlichkeit oder die Entsorgung des strahlenden Mülls gefunden hat! Dabei sind die Alternativen für eine sichere Energiezukunft vorhanden, wir müssen sie nur nutzen."

GLOBAL 2000 fordert, EURATOM abzuschaffen und notwendige Bestimmungen im Bereich der nuklearen Sicherheit (Gesundheit oder Nichtverbreitung von Nuklearmaterial) dann in das EU-Vertragswerk zu übernehmen. „Mit sofortiger Wirkung muss es ein Moratorium geben, das die Unterstützung für die Atomkraft durch EURATOM-Forschungsmittel und EURATOM-Kredite aussetzt“, fordert Herrmann. Wie mehrere Gutachten der letzten Zeit belegen, hat jedes Mitgliedsland der EU die Möglichkeit, einseitig aus dem EURATOM-Vertrag auszusteigen, ohne dass damit die Mitgliedschaft in der EU in Frage gestellt wird. GLOBAL 2000 fordert die österreichische Bundesregierung daher dazu auf, einseitig oder in Absprache mit anderen EU-Staaten diesen Weg intensiv zu prüfen.

Weitere Informationen:

GLOBAL 2000 Energiesprecherin Silva Herrmann, Tel.: 0699/14 2000 17
GLOBAL 2000 Presse: Ruth Schöffl, Tel.: 0699/14 2000 19, presse@global2000.at