Wien, am 10. März 2014 – Auch drei Jahre nach Beginn der Reaktorkatastrophen von Fukushima, mit drei explodierten Reaktoren und dem explodierten Abklingbecken in Reaktor 4 die schlimmste Nuklearkatastrophe seit Tschernobyl, herrscht weiter Unklarheit über die genaue Lage vor Ort: Die Betreibergesellschaft TEPCO ist heillos überfordert mit der Aufgabe, die ständig neu auftretenden Probleme unter Kontrolle zu bekommen, die neue japanische Regierung unter Shinzo Abe ist mehr daran interessiert, die noch nicht explodierten Atomkraftwerke wieder in Betrieb zu nehmen, als sich der Herausforderung der Verstrahlung der Bevölkerung adäquat zu stellen.

„GLOBAL 2000 fordert die internationale Staatengemeinschaft auf, der Internationalen Atomenergieagentur IAEA ein Mandat für die Überwachung und Kontrolle auch ziviler Nuklearanlagen zu erteilen und mit internationalem Know-How dem Verschleiern und Herumstümpern der japanischen Behörden ein Ende zu bereiten“, sagt Dr. Reinhard Uhrig, Geschäftsführer von GLOBAL 2000.

GLOBAL 2000 fasst die wichtigsten Fakten zum Status in Fukushima zusammen:

Kühlwasser: 13.300 Liter werden pro Stunde in die zerstörten vier Reaktorgebäude gepumpt, um die geschmolzenen Atombrennstoff-Klumpen und die teilweise verbogenen Brennelemente in den beschädigten Abklingbecken vor dem Überhitzen zu schützen.

Lagerung des hochradioaktiven Kühlwassers: Circa 1.000 Tanks, insgesamt an die 300 Mio. Liter, denen durch Cäsium-Absorbierung ein Teil der radioaktiven Stoffe entzogen wurde, die aber wegen des nicht filterbaren radioaktiven Tritiums noch hoch an Beta- und Gamma-Strahlung sind

Abklingbecken Reaktor 4: 462 der 1.533 Brennelemente sind abtransportiert, die wirklich schwierige Bergung der verbogenen und potenziell verklemmten Brennelemente hat noch nicht begonnen.

Abklingbecken Reaktor 3: Hier liegt die wirkliche Herausforderung der Abklingbecken – 514 abgebrannte und 52 neue Brennelemente unter einem Berg von Explosionsschutt, der wegen der viel heftigeren Explosion am 14.3.2011 wesentlich schwerer beschädigt ist als in Reaktor 4.

Reaktor 1‑3: Die größte ungelöste Herausforderung ist der geschmolzene Nuklear-Brennstoff aus den Reaktorkernen der drei Reaktoren, der sich jeweils durch den Reaktordruckbehälter gebrannt und irgendwo unterhalb in den Beton gefressen hat. Noch niemals wurde geschmolzener Brennstoff (Corium, hier insgesamt 210 Tonnen davon) aus einem vollständig zerstörten, hochradioaktiven Reaktorgebäude geborgen.

Hinter den harten Fakten stehen zahlreiche menschliche Schicksale. Im März 2011 wurden insbesondere die Kinder der Region viel zu spät oder gar nicht evakuiert, die Großstadt Fukushima City 60 km nordwestlich der Reaktoren ist teilweise stark verstrahlt. Jodtabletten, die die Aufnahme von radioaktivem Jod verhindern können, wurden viel zu spät oder gar nicht ausgegeben. Die Folgen sind jetzt schon sichtbar: von 254.000 Kindern und Jugendlichen, die bisher untersucht wurden, wurden jetzt schon 75 mit Verdacht auf Schilddrüsenkrebs diagnostiziert. Wie wir von der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl wissen, wo 4.000 Kinder an Schilddrüsenkrebs erkrankten, ist das erst die Spitze des Eisbergs. Der Höhepunkt der Schilddrüsenkrebs-Fälle kommt erst zehn Jahre nach der Aufnahme des fatalen radioaktiven Jods in den kindlichen Körper.

Nur mehr 85.000 Menschen in der Region tragen regelmäßig Dosimeter, die die Aufnahme der radioaktiven Strahlung kontinuierlich messen. Warum ist das so? Uhrig erläutert: „Weil die permanente Erinnerung an die lauernde Gefahr die Kinder dermaßen stresst, dass die Eltern ihnen erlauben, die Strahlenmessgeräte in der Schublade zu lassen, so nach dem Motto, besser nicht an die unsichtbare Gefahr denken!“ GLOBAL 2000 fordert von der japanischen Regierung die Evakuierung der Menschen aus den radioaktiv verseuchten Gebieten.

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