Neue Landwirtschaftspolitik muss Abhängigkeit von Pestiziden entgegen treten

Wien, 14.5.2013: Dass Landwirtschaftsminister Nikolaus Berklakovich rücktrittsreif ist, stellte GLOBAL 2000 bereits nach seinem ersten Abstimmungs-Nein in Brüssel zu den von der EU-Kommission vorgeschlagenen Teilverboten bienengiftiger Neonicotinoide fest. “Doch Köpfe auszutauschen allein wird nicht reichen. Was Österreich braucht, ist eine grundsätzliche Neuausrichtung der Landwirtschaftspolitik, im Interesse der Landwirte, der KonsumentInnen und der Umwelt”, betont Helmut Burtscher, Umweltchemiker von GLOBAL 2000: „Wir fordern für die kommende Legislaturperiode eine Trennung von Landwirtschafts- und Umweltministerium. Durch die Verschmelzung dieser beiden Ressorts muss der zuständige Minister eine kaum schaffbare Grätsche zwischen den Interessen der Agrarlobby und denen der Umwelt tätigen. Dass die Agrarlobby sich nicht den Schutz der Umwelt auf die Fahnen schreibt, zeigt sich auch gerade jetzt in der aktuellen Diskussion rund um das Bienensterben wieder.“

GLOBAL 2000 präsentierte am gestrigen Montag im Rahmen der parlamentarischen Enquete „Bienen schützen, Pestizide verbieten“ aktuelle Zahlen aus Deutschland und Österreich: So führen zunehmende Resistenzen von Schadorganismen gegen handelsübliche Pestizide dazu, dass Landwirte immer häufiger zur Pestizidspritze greifen und ein immer breiteres Spektrum an Pestizidwirkstoffen anwenden müssen, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Zehn Spritzungen im Gemüsebau bzw. dreißig Pestizidanwendungen im Obstbau sind dabei keine Seltenheit. Dass das nicht ohne Folgen bleibt, zeigen aktuelle Untersuchungsergebnisse aus Deutschland (CVUAS 2012), wonach 87 Prozent des Frischobst und Gemüse mit Pestiziden belastet sind. Im Durchschnitt kommt jedes Erzeugnis auf 0,7 Milligramm eines Pestizidcocktails aus 4,2 Wirkstoffen. Doch Pestizide belasten auch Böden und Gewässer. Das Grundwasser-Sondermessprogramm des Umweltbundesamt (GZÜV 2010) fand in 46 Prozent der 201 beprobten Grundwassermesstellen Überschreitungen des Aktionswerts für Pestizidbelastungen von 0,1 Mikrogramm pro Liter.

Dass die Versprechungen der Agrochemie sich nicht erfüllt haben, sondern stattdessen die Landwirte zusehens in die Abhängigkeit internationaler Saatgut – und Pestizidhersteller führen, KonsumentInnen einer vermeidbaren Belastung durch Pestizidrückstände aussetzen und Böden und Wasser vergiften, hat auch die Welternährungsorganisatin FAO erkannt, wie deren Generalsekretär Jose Graziano da Silva im Vorjahr in einem Interview mit dem Spiegel sehr treffend ausdrückte: „Wir haben hundert Jahre gebraucht, die Chemie in die Landwirtschaft einzubringen. Wir werden sie deutlich schneller wieder loswerden.“

Österreichs Biobauern zeigen seit langem vor, dass es auch ohne Chemie geht. „Es wird Zeit, dass auch die hohe Politik und die InteressenvertreterInnen die Zeichen der Zeit erkennen und die österreichischen Bauern aus der Pestizid-Sackgasse herausführen“, sagt Burtscher abschließend.

Bild: Bee Antena! von Danny Perez Photography / flickr.com CC-BY-NC-ND