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Gaskrise ist Vorwand von Atomlobby um schnelles Geld zu verdienen

Wien (13. Jänner 2009). Die Umweltorganisationen GLOBAL 2000 und Greenpeace demonstrieren heute vor der slowakischen Botschaft in Wien gegen die angekündigte Wiederinbetriebnahme des Atomkraftwerkes Bohunice. „Bohunice wurde nicht ohne Grund vorzeitig geschlossen“, so die Organisationen. „Eine Wiederinbetriebnahme ist unverantwortlich!“

Mittlerweile gibt es auch in der Slowakei selber kritische Stimmen zu den Plänen der Regierung. So sagte ein Sprecher einer regionalen Stromvertriebsgesellschaft, dass es nicht notwendig ist, Bohunice zu starten, weil es am Markt genug Strom gibt, und man notfalls einfach aus dem Ausland Strom importieren könnte. Ein anderer Sprecher bestreitet, dass es Schwierigkeiten im Übertragungsnetz gibt, wie zuvor von Premierminister Fico behauptet.

Hierdurch drängt sich der Verdacht auf, dass es andere Gründe für die Wiederinbetriebnahme gibt, als die offiziell von der slowakischen Regierung angeführte Energieknappheit. „Es scheint eher so zu sein, dass die Atomlobby die Engpässe in der Gaslieferung als Vorwand nutzt, mit dem Atomstromverkauf schnelles Geld zu verdienen“, so Greenpeace-Energieexperte Jurrien Westerhof. „Wenn man einen Reaktorblock laufen lässt, wie jetzt angekündigt, verdienen die Kraftwerksbetreiber damit pro Tag knapp eine Million Euro. Die Gaskrise liefert jetzt ein willkommenes Argument, denn dieses Geld wollen sie sich offensichtlich nicht entgehen lassen.“

Auch aus Brüssel kommt unterdessen Protest. Weil die Slowakei im EU-Beitrittsabkommen zugesagt hat, Block V1 von Bohunice zu schließen, wäre eine Wiederinbetriebnahme eine klare Vertragsverletzung. „Die EU wird nicht tatenlos zusehen wie die Slowakei ihr auf der Nase herumtanzt und den Beitrittsvertrag verletzt“, so Silva Herrmann, Energiesprecherin von Global 2000. „Die Slowakei wird mit Konsequenzen rechnen müssen, zum Beispiel in dem die EU bestimmte Förderungen nicht zahlt. Die slowakische Regierung muss sich also gut überlegen, ob ein Alleingang hier kein Schuss ins e Knie ist.“

Die Umweltorganisationen GLOBAL 2000 und Greenpeace fordern die Slowakei dazu auf, von einer Wiederinbetriebnahme von Bohunice abzusehen, und stattdessen Ernst zu machen mit einem Atomausstieg und dem Ausbau von Erneuerbaren Energien.

Rückfragehinweis:

Greenpeace: Dipl.-Ing. Jurrien Westerhof, 0664/61 26 701

GLOBAL 2000:Presse: Ruth Schöffl, Tel.: 0699/14 2000 19

Anti-Atomsprecherin: DI Silva Herrmann, 0699/14 2000 17

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