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GLOBAL 2000 fordert: Thermische Sanierung vor Ausbau von Energienetzen, Förderung für kleine Wärme-Kraft-Kopplung statt für Großkraftwerke

Wien (30. Mai 2008). Im Zuge der Einigung zum Ökostromgesetz soll die fossile Kraft-Wärme-Kopplung ein eigenständiges Fördergesetz bekommen und Wärme- und Kältenetze mit hohen Fördersummen von 60 Mio. Euro massiv ausgebaut werden. GLOBAL 2000 Klimasprecherin Silva Herrmann warnt: „Vor dem Ausbau von Energienetzen muss die thermische Sanierung bei den Abnehmern gewährleistet sein. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Energieinsparpotenziale der Sanierung effizient genutzt und die Energienetze passend dimensioniert werden. Die derzeitige Politik zäumt allerdings das Pferd von hinten auf!“

Die gekoppelte Erzeugung von Strom, Wärme und Kälte dient dem Klimaschutz dann, wenn tatsächlich hohe Gesamtwirkungsgrade von mehr als 75 Prozent erreicht und Wärme oder Kälte am Bestimmungsort effizient eingesetzt werden. Neben den bekannten Großanlagen kann KWK auch in kleinen Einheiten angewandt werden. So können Mikro-KWK (etwa so groß wie eine Waschmaschine) in Mehrfamilienhäuser und kleine Blockheizkraftwerke z.B. in Krankenhäusern, Hallenbädern oder Gewerbebetrieben genutzt werden. Damit können bestehende Heizsysteme wie etwa Gas-Etagenheizungen ersetzt werden.

Dazu Silva Herrmann: „Dem drastischen Preisschub bei Öl wird in Kürze der Preisschub beim Gas folgen, die Knappheit der fossilen Energieträger zeigt sich deutlich am steigenden Preis. Österreichs Energieversorgung hängt zu 75 Prozent an Kohle, Öl und Gas. Ein Bau von weiteren großen Gaskraftwerken wird diese Abhängigkeit verstärken. Sinnvoll ist es dagegen, die dezentrale Energieversorgungsstrukur mit kleinen KWK-Anlagen auf Biomasse-Basis zu entwickeln.“ Laut einer Studie im Auftrag des Wirtschaftsministeriums (2005) wird in Österreich das Potenzial für dezentrale kleine KWK-Anlagen noch völlig unzureichend genutzt. Nur knapp drei Prozent der Klein-KWK Anlagen, hingegen bereits mehr als 30 Prozent der KWK-Anlagen mit einer Leistung über 1 MWel sind realisiert worden.

GLOBAL 2000 fordert für die anstehenden Beschlussfassungen zu Ökostromgesetz, KWK-Gesetz und Energienetz-Ausbau:

- Bei Neuerrichtung von KWK-Anlagen müssen Energiesparpotenziale der Wärme- und Kälteabnehmer vorher ausgenutzt werden. Das muss der geplante Beirat bei der Projektüberprüfung sicherstellen.

- Einführung eines neuen Instruments, der Energieraumplanung zur besseren Abstimmung von Maßnahmen auf lokaler Ebene, wie beispielsweise Sanierungen oder die Nutzung von Abwärme.

- Kein Förder-Deckel für kleine hocheffiziente Biomasse-KWK-Anlagen im Ökostromgesetz. Förderung auch dann, wenn keine Abgabe in das öffentliche Fernwärmenetz erfolgt, sondern die Wärme selbst genutzt wird.


- Statt hohem Fördermitteleinsatz für fossile KWK-Projekte Verbesserung der rechtlichen und strukturellen Voraussetzungen für KWK, wie etwa die verbindliche Prüfung des Einsatzes von KWK als Heizsystem bei Neubauten, wie sie die EU-Gebäuderichtlinie bereits fordert.

- Die Finanzierung für fossile KWK-Projekte muss aus dem Ökostromgesetz herausgenommen werden. Andernfalls wird der Preis für Ökostrom erhöht, ohne dass die Kosten durch den Ökostrom verursacht werden.

Weitere Informationen:

GLOBAL 2000 Klimasprecherin: DI Silva Herrmann, Tel.: 0699/14 2000 17

GLOBAL 2000 Presse: Ruth Schöffl, Tel.: 0699/14 2000 19, E-Mail: presse@global2000.at