Bißchen computersimulieren, bißchen versprechen, massiver Druck auf Lokalregierungen -- schon läuft AKW wieder

Wien, den 16.6.12: Die japanische Regierung unter Premierminister Noda und Wirtschaftsminister Edano gab heute grünes Licht für das Wiederanfahren der beiden Reaktoren im Atomkraftwerk Oi in Westjapan. Japanische Atomkraftwerke müssen alle 13 Monate zur Revision heruntergefahren werden, nach den Nuklearkatastrophen von Fukushima hatte die Regierung „Stresstests“ angeordnet und bisher noch kein AKW zurück ans Netz gelassen. „Die Entscheidung ist rein politisch motiviert: Am 5. Mai ging das letzte japanische AKW vom Netz – die Regierung und die Atomlobby wollen einfach nicht zugeben, dass auch ohne Atomkraft in Japan die Lichter nicht ausgehen“, erklärt Reinhard Uhrig, Atomexperte von GLOBAL 2000. „Die Bewilligung war eine reine Augenauswischerei: ‚Stresstests‘, die nur aus Computersimulationen bestanden, vage Versprechen der Betreiberfirma, die gefundenen starken Mängeln in den nächsten Jahren zu beheben – und schon laufen die Reaktoren wieder.“

Die Betreiberfirma der Oi-Reaktoren, Kansai Electric Power Co., hatte im April der Regierung einen Plan für Sicherheitsverbesserungen vorgelegt. „Dieser vage Plan reichte, er muss nicht vor dem Wiederanfahren der Reaktoren umgesetzt werden“, betont Uhrig. Der Plan sieht vor, dass ein Filtersystem, das bei Störfällen radioaktive Gase zurückhalten soll, erst bis in drei Jahren installiert werden soll. Weiters sollen die Schutzräume für die Arbeiter bei Unfällen erst in bis zu drei Jahren zur Verfügung stehen – in Fukushima ermöglichten Schutzräume zumindest die Kontrolle der Super-GAUs und das Einleiten von Kühlwasser in die zerstörten Reaktoren. Das Kriseneinsatzzentrum der Oi-Reaktoren liegt im Keller der Anlage – die Lehren aus dem Tsunami wurden nicht berücksichtigt und die Verlagerung des Einsatzzentrums auf einen geschützten höheren Punkt vage für die Zukunft versprochen. „Die überhastete Entscheidung zeigt, wie stark die Atomlobby in Japan immer noch mit der Regierung vernetzt ist und wie egal der Zentralregierung die Stimme der Bevölkerung ist, die gegen das Wiederanfahren der unsicheren Reaktoren sind“, sagt Uhrig abschließend.