Wien, 9. Oktober 2013 - Seit 10 Jahren führt GLOBAL 2000 gemeinsam mit der REWE International AG das PestizidReduktionsProgramm durch. Durch diese innovative Kooperation schaffte es die österreichische Umweltschutzorganisation, die Pestizidbelastung von Obst- und Gemüse in den Regalen von BILLA, MERKUR und PENNY deutlich zu senken. Durch die konsequente Zusammenarbeit aller Beteiligten konnte ein Standard etabliert werden, der deutlich über die gesetzlichen Vorgaben hinausgeht. Trotz aller Erfolge gibt es für GLOBAL 2000 noch viel zu tun. Waltraud Novak, Leiterin des PRP betont: „Noch immer sind nicht alle gesetzlichen Höchstwerte gänzlich sicher für die KonsumentInnen, dies muss sich ändern. Außerdem ist es an der Zeit, eine Pestizid-Steuer nach skandinavischem Vorbild einzuführen um die Verursacher von Umwelt- und Gesundheitsschäden zur Kasse zu bitten.“

Im Februar 2002 untersuchte die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 erstmals Obst und Gemüse aus dem österreichischen Handel auf Pestizide und fand – insbesondere bei spanischen Tomaten und Paprika – alarmierend hohe Belastungen. Dieser Skandal ging durch die Medien und erschütterte die Öffentlichkeit, während die Politik tatenlos blieb. Aus diesem Grund entschied sich GLOBAL 2000 für einen unkonventionellen Weg – die Zusammenarbeit mit der konventionellen Landwirtschaft und dem Lebensmittelhandel. In einem ersten Schritt nahm GLOBAL 2000 in einer „Supermarkt-Kampagne“ alle Lebensmittelhändler in Österreich in die Pflicht und forderte sie auf, nur sichere Produkte anzubieten.

Eine positive Reaktion kam damals von der BILLA AG, die mit GLOBAL 2000 die Pestizidbelastung nachhaltig reduzieren wollte. Die ExpertInnen der Umweltschutzorganisation erarbeiteten ein umfassendes Konzept und entwickelten das PestizidReduktionsProgramm (PRP).

„Sich auf das PestizidReduktionsProgramm einzulassen, war ein sehr mutiger Schritt der damaligen Führung von BILLA und später auch der anderen Handelsfirmen der REWE International AG. Die Einführung des PestizidReduktionsProgramms war eine Revolution in dieser Branche und ganze zehn Jahre später sind wir als REWE International AG immer noch der einzige Lebensmittelhändler Österreichs, der konsequent gemeinsam mit seinen Lieferanten und Produzenten an einer nachhaltigen Reduktion der Pestizidbelastung arbeitet“, erläutert Frank Hensel, Vorstandsvorsitzender der REWE International AG.

Reinhard Uhrig, Geschäftsführer von GLOBAL 2000, ergänzt: „Rückblickend gesehen war es für GLOBAL 2000 eine richtige Entscheidung, den Schritt weg vom reinen „Aufdecken von Skandalen“ hin zur lösungsorientierten Kooperation mit der konventionellen Landwirtschaft zu wagen.“ Das Programm bot die Chance, über den Lebensmittelhandel weltweit tausende ProduzentInnen von Obst und Gemüse zu erreichen und mit ihnen gemeinsam die Reduktion des Pestizideinsatzes voranzutreiben.

„Die Zusammenarbeit mit GLOBAL 2000 ist für mich ein Musterbeispiel, wie eine Kooperation zwischen Wirtschaft und NGO aussehen muss“, ergänzt Frank Hensel. „Die Produkte werden von GLOBAL 2000 untersucht und kontrolliert. Daraus können sich Sperren ergeben, die nur von GLOBAL 2000 entschieden werden. Die Prüfergebnisse der Labors sowie die Sperrung sind für uns in jedem Fall bindend, die Sperrung kann auch nur von den Experten wieder aufgehoben werden – ganz losgelöst davon, welche Kosten und Umsatzverluste dadurch für uns entstehen.“

Enge Zusammenarbeit mit den ProduzentInnen als Schlüssel zum Erfolg

„Der besondere Erfolg dieses Programms ist das gemeinsame Arbeiten an Verbesserungen: Das GLOBAL 2000 Team erarbeitet mit den jeweiligen LieferantInnen und ProduzentInnen Alternativen, die die Situation beim jeweiligen Produkt verbessern. Wir treiben durch diese Kooperation vor allem konsequent die Suche nach umweltschonenderen Alternativen zum Einsatz von Pestiziden voran. Dadurch ist uns gemeinsam mit GLOBAL 2000 und unseren Lieferanten über die Jahre eine deutliche Reduktion der Gesamtbelastung bei unserem Obst und Gemüse gelungen. Das ist der Kern dieses Programms, nur so können wir im Sinne der Nachhaltigkeit Fortschritte machen – für die Gesundheit der Konsumenten und für die Umwelt“, so Hensel weiter.

Von Beginn an bis heute ist das PRP eine große Herausforderung für alle Beteiligten, da die sehr unterschiedlichen Interessen von Wirtschaft und Umweltschutz aufeinander treffen. Reinhard Uhrig, Geschäftsführer von GLOBAL 2000 erzählt: „Sehr skeptisch waren am Beginn die Lieferanten, die heute das PRP ganz selbstverständlich mittragen.“ Um den ProduzentInnen Zeit zu geben, sich auf die neuen Anforderungen einzustellen, wurde das PRP als Stufenprogramm angelegt. Mit jeder Stufe werden die Anforderungen strenger und dadurch schrittweise die Pestizidbelastung von Obst und Gemüse immer weiter gesenkt.

KonsumentInnen und Umwelt profitieren nachhaltig

Im Zentrum des PRP steht der Schutz der Gesundheit und der Umwelt. Die Ergebnisse der Untersuchungen zeigen eine deutliche Reduktion der Pestizidbelastung von Obst und Gemüse bei der REWE International AG innerhalb der letzten zehn Jahre. Erreicht wurde diese Reduktion durch ein dichtes und laufend verbessertes Kontrollnetz, durch intensive Zusammenarbeit mit den Entscheidungsträgern bei der REWE International AG, den Lieferanten und ProduzentInnen sowie durch Bewusstseinsbildung.

Die unmittelbare Auswirkung des PRP auf das Sortiment erläutert Alfred Propst, Direktor Zentraleinkauf Frische der REWE International AG: „Das Programm heißt für uns in der Praxis, dass wir ein bestimmtes Obst oder Gemüse, das den Ansprüchen des Pestizidreduktionsprogramms nicht entspricht, sofort aus dem Regal nehmen. So erging es uns z.B. mit der umsatzstärksten Traube – der kleinen, süßen, kernlosen Sultana aus der Türkei. Hier wurde seit 2005 intensiv an der Reduktion der Rückstandsmengen gearbeitet, leider ohne Ergebnis, weshalb wir in den letzten drei Jahren keine türkischen Sultanas mehr verkauft haben. Stattdessen bieten wir unseren Kunden italienische Tafeltrauben an, deren Belastung zuletzt halbiert werden konnte.“

Erfreulich ist weiters, dass die Ergebnisse des PestizidReduktionsProgramms durchgängig transparent sind und der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Dies erfolgt durch die laufende Veröffentlichung der aktuellen Rückstandssituation auf der Homepage von BILLA und ganz neu auch bei MERKUR. Waltraud Novak, Leiterin des PestizidReduktionsProgramms bei GLOBAL 2000, betont: „Besonders freut uns, dass auch MERKUR seit kurzem alle unsere Untersuchungsergebnisse auf seiner Homepage darstellt. Die REWE International AG ist der erste Lebensmittelhändler europaweit, der in diesem Bereich für komplette Transparenz sorgt. Dieser Schritt ist durch intensives Lobbying seitens GLOBAL 2000 gesetzt worden und ein großer Erfolg auch für uns.“ Einen umfassenden Überblick über die Belastungssituation von Obst und Gemüse bei der REWE International AG gibt auch der jährliche „Statusbericht chemischer Pflanzenschutz“. Diesen detaillierten Bericht verfasst GLOBAL 2000 seit dem Jahr 2007 für die REWE Group.

Doch das PestizidReduktionsProgramm wird auch laufend weiterentwickelt. Waltraud Novak erklärt: „Wir sehen hier auch die Politik gefordert: Gesetzliche Pestizid-Höchstwerte müssen sicher sein – diese Sicherheit gibt es nämlich bei einigen Pestiziden noch immer nicht.“ Auch die AGES steht bei ihr in der Kritik: „Die AGES ist für die Ernährungssicherheit in Österreich zuständig. Doch die Pestizid-Untersuchungsergebnisse der AGES werden in der Regel mit bis zu zweijähriger Verspätung veröffentlicht – der Nutzen für die VerbraucherInnen ist da gleich Null. Wir fordern zeitnahe, aktuelle Veröffentlichung samt genauem Herkunftsnachweis. In den Berichten mangelt es an Transparenz, die eigentlich in der entsprechen gesetzlichen Verordnung sogar gefordert wird.“

Generell fordert GLOBAL 2000, dass die Pestizidhersteller, die für all die Schäden an Gesundheit und Umwelt durch die Pestizidproduktion verantwortlich sind, nach dem Verursacherprinzip dafür verantwortlich gemacht werden. Novak betont: „Wir fordern in Österreich eine Pestizid-Steuer nach skandinavischem Vorbild.“

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Fotocredits: GLOBAL 2000/APA-Fotoservice/Pauty, Abdruck zu PR-Zwecken honorarfrei

Rückfragehinweis GLOBAL 2000:

Mag. Nunu Kaller & Mag. Lydia Matzka-Saboi, Pressesprecherinnen GLOBAL 2000

Neustiftgasse 36, 1070 Wien

Tel Kaller: +43 699 14 2000 20, Tel Matzka-Saboi: +43 699 14 2000 26

E-Mail: presse@global2000.at

Rückfragehinweis REWE International AG:

Mag. Ines Schurin, Pressesprecherin und Leiterin Media Relations REWE International AG

Industriezentrum NÖ-Süd, Straße 3, Objekt 16, A-2355 Wiener Neudorf

Tel.: +43 2236 600 5261, E-Mail: i.schurin@rewe-group.at

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