Heute wurde der Kohleatlas in Berlin vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND / Friends of the Earth Germany) und der Heinrich-Böll-Stiftung präsentiert, der eine Sammlung von Daten und Fakten zur Nutzung der Kohle weltweit enthält und die dramatischen Folgen von der Förderung bis zur Verbrennung in anschaulichen Grafiken zeigt. Johannes Wahlmüller, Klimasprecher der österreichischen Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 und Friends of the Earth Österreich: „Der Atlas erzählt die tragische Geschichte der Kohle von Menschenrechtsverletzungen, Umweltzerstörung, Krankheit und Tod. Millionen Menschen sind weltweit von Kohlebergbau und Klimawandel betroffen. Sie alle verdienen es, von der Politik ernst genommen zu werden. Dazu gibt es nur einen Ausweg: Den weltweiten Ausstieg aus Kohle und den Umstieg auf erneuerbare Energie. Österreich kann hier einen ersten Schritt machen und den im Land noch verbliebenen Kohlekraftwerken endlich ein verbindliches Abschaltdatum geben. Das würde auch ein wichtiges Signal für die Klimakonferenz in Paris im Dezember 2015 setzen und zeigen, dass wir es mit Klimaschutz ernst meinen.“

Klimaschädlichster Energieträger der Welt:

Kohle Kohle ist weltweit der klimaschädlichste Energieträger. Mehr als 40 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen entstammen der Kohleverbrennung. Wenn das international anerkannte Ziel, die globale Erwärmung auf unter zwei Grad einzudämmen, erreicht werden soll, dann müssen 80 Prozent der weltweit bekannten Kohlevorräte im Boden bleiben. Genauso wie ein Drittel der bekannten Ölreserven und die Hälfte der Gasreserven.

Kohle in Österreich und deren Gesundheitsfolgen

Zwar ist Österreich kein Schwerpunkt des Kohle-Atlas, aber auch hierzulande gibt es immer noch Kohlekraftwerke. 1,3 Millionen Tonnen Kohle werden jedes Jahr allein für die Elektrizitätsproduktion verbrannt, das verursacht 3,6 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr. Inklusive der Stahlerzeugung entstehen damit gesundheitsschädliche Emissionen, die zu 120 vorzeitigen Todesfällen und Gesundheitsfolgekosten von 194 Mio. Euro führen. Europaweit sterben pro Jahr 18.200 Menschen an den Emissionen von Kohlekraftwerken und es entstehen Folgekosten von 43 Mrd. Euro. Wären diese gesellschaftlichen Kosten im Preis der Kilowattstunde Elektrizität enthalten, wäre Kohle längst nicht mehr konkurrenzfähig.

Braunkohleförderland Deutschland

Deutschland ist mit einer Fördermenge von 183 Mio. Tonnen noch vor China (147 Mio. Tonnen) das weltweit größte Förderland für Braunkohle und ist deshalb laut dem Kohle-Atlas selbst besonders betroffen: In den letzten 90 Jahren mussten 230 Siedlungen und 110.000 Menschen dem Tagebau mit seinen großen Schaufelbaggern weichen.

Menschenrechtsverletzungen beim Kohlebergbau

Weltweit ist der Kohlebergbau leider auch für Menschenrechtsverletzungen und starke Umweltverschmutzung verantwortlich. Im Atlas wird John Ruggie, Sonderbotschafter für Menschenrechtsverletzungen von 2005 bis 2011 zitiert, der bekannt gibt, dass sich 28 Prozent aller Beschwerden gegen Bergbau-, Erdöl- und Erdgasfirmen richten. Der Atlas zeigt Beispiele: wie beispielsweise in Mosambik Menschen auf unfruchtbares Land übersiedelt werden und ihr Wasser verschmutzt wird - oder von Bangladesch, wo 220.000 Menschen wegen einem Kohleprojekt um ihr sauberes Wasser fürchten.

Hoffnung in China

Der Atlas widmet sich auch China, das mit seiner Elektrizitätserzeugung, die auf Kohle aufbaut, insgesamt zum weltweit größten CO2-Emittenten geworden ist, und berichtet von einem Hoffnungsschimmer: Im Jahr 2014 wurde erstmals ein Rückgang des Einsatzes von Kohle um 2,9 Prozent verzeichnet. 6.000 Kohleminen wurden in den letzten vier Jahren geschlossen, bis Ende 2015 sollen es weitere 2.000 Minen sein. China bleibt weiterhin stark abhängig von Kohle. Unklar ist aber, ob es sich beim Rückgang um einen einsetzenden langfristigen Trend oder ein einmaliges Einknicken handelt. Mit 90 Milliarden US-Dollar investierte China im Jahr 2014 allerdings soviel in erneuerbare Energie wie kein anderes Land der Welt.

Kohleatlas:
siehe bitte untenstehend

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