Die besorgniserregenden Ergebnisse der von der heimischen Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 im Frühjahr durchgeführten Untersuchung österreichischer Fließgewässer werden durch eine gestern veröffentlichte Studie über die Chemiebelastung von 91 europäischen Flüssen bestätigt. Die Forscher aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz kamen zu der Erkenntnis, dass die Verschmutzung europäischer Fließgewässer durch Industriechemikalien, Arzeimittelwirkstoffe und Pestizide weit größer ist als erwartet, und die in der Wasserrahmenrichtlinie geforderte Verbesserung der Wasserqualität bis 2015 daher nicht erreicht wird. Industriechemikalien mit hormoneller Wirkung, wie Organozinnverbindungen und bromierte Flammschutzmittel wurden zum Teil in bedenklichen Konzentrationen gefunden. Als größten Belastungsfaktor für das aquatische Ökosystem identifizierten die Wissenschafter aber Pestizide.

„Landwirtschaftliche Praktiken, die die Artenvielfalt in unseren Flüssen bedrohen, müssen neu überdacht und letztlich auch geändert werden“, schließt sich DI Dr. Helmut Burtscher, Umweltchemiker von GLOBAL 2000, der Forderung der Studienautoren nach einer Reduktion des Pestizideinsatzes in der Landwirtschaft an: „Daher ist es besonders wichtig, dass der von Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter kürzlich ins Leben gerufene Strategieprozess "Zukunft Pflanzenbau", der einen naturnahen Pflanzenschutz zum Ziel hat und Österreich als Vorreiter für eine umweltgerecht produzierende Landwirtschaft positionieren möchte, von allen beteiligten Stakeholdern, angefangen mit der Politik, den Landwirten, ihren Interessensvertretern und dem Handel mitgetragen wird.

Studie:
Die Forscher veröffentlichten ihre Studie in den "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften ("PNAS").