Wien, 6.6.2013: Wie GLOBAL 2000 in Erfahrung bringen konnte, ermittelt das Bundesamt für Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung (BAK) gegen Verantwortliche der Bezirkshauptmannschaft Korneuburg und des Amts der Niederösterreichischen Landesregierung wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauch sowie der “Beitragstäterschaft zur Umweltgefährdung”. Die Staatsanwaltschaft Korneuburg leitet die Ermittlungen. Es gilt die Unschuldsvermutung. Helmut Burtscher, Umweltchemiker von GLOBAL 2000, sagt: “Auch wenn außer Streit steht, dass der Pestizidhersteller Kwizda-Agro, von dessen Fabriksgelände über mehr als ein Jahrzehnt gefährliche Pestizide ins Grundwasser gelangt sind, Verursacher der Grundwasserkontamination im Korneuburger Becken ist, ist eine unvoreingenommene und sorgfältige Prüfung der möglichen Mitverantwortung der zuständigen Gewerbe- und Wasserrechtsbehörde unumgänglich.”

Die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 brachte im Februar gemeinsam mit der Korneuburger Umweltstadträtin Elisabeth Kerschbaum und der Bürgerinitiative “Pro Reines Wasser” eine umfassende Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsawaltschaft Korneuburg ein. Zuvor hatten bereits die Wiener Umweltstadträtin Ulli Sima und Rüdiger Maresch, der Umweltsprecher der Wiener Grünen, Anzeige gegen die BH Korneuburg wegen der Einleitung von pestizidkontaminiertem Grundwasser in die Donau erstattet. Die Vorwürfe von GLOBAL 2000 beziehen sich u.a. auf Versäumnisse bei der behördlichen Kontrolle des Pestizidherstellers Kwizda-Agro sowie bei der Aufdeckung und Sanierung der Kontamination. So wurde zwei Jahre lang aufgrund nicht funktionierender Filteranlagen massiv kontaminiertes Grundwasser in den Donaugraben eingeleitet, wodurch dieser mit hunderten Kilogramm gefährlicher Pestizide belastet wurde.

Positiv zu vermelden ist, dass die neuen Filteranlagen, die bei den Sanierungs-Hotspots und der Einleitung in den Tresdorfer Graben installiert wurden, gut zu funktionieren scheinen: Eine aktuelle Untersuchung von GLOBAL 2000 konnte dort keine Pestizide nachweisen. Die zweite gute Nachricht ist, dass auch im Badeteich Bisamberg keine Pestizide gefunden wurden.

“Skandalös ist allerdings, dass ungefiltertes, mit Pestiziden belastetes Grundwasser nach wie vor in die Donau eingeleitet wird. Diese von der BH ursprünglich als 'vorübergehend' bezeichnete Maßnahme ist – wie GLOBAL 2000 befürchtet hatte - zu einer 'Dauerlösung' geworden“, sagt Burtscher „Auch der von GLOBAL 2000 befürchtete Anstieg der in die Donau eingeleiteten Pestizidmengen hat sich nun durch die jüngsten von der BH publizierten Daten in erschreckender Weise bestätigt. Auch stellt sich die Frage, welchen Einfluss das Hochwasser auf eine weitere Verbreitung der Pestizide nimmt, indem kontaminiertes Grundwasser an die Oberfläche gedrückt wird.

Weitere Informationen: http://www.grundwassersanierung-korneuburg.at/