Wien, 7. Juni 2013: Am gestrigen Donnerstag trafen auf Einladung der EU-Kommission VertreterInnen des Vereins ARCHE NOAH auf VertreterInnen der DG SANCO – jener Generaldirektion in der EU-Kommission, die für das EU-Saatgutrecht verantwortlich zeichnet. ARCHE NOAH, der Verein zur Erhaltung und Entwicklung der Kulturpflanzenvielfalt, vertrat bei dem Termin auch den Kooperationspartner GLOBAL 2000. „Die Einladung zum Dialog zeigt, dass die EU-Kommission Schritte in Richtung Vielfalt in der Landwirtschaft setzen möchte. Wenn sie es wirklich ernst meint, dann muss es eine völlige Neuorientierung in Sachen EU-Saatgutverkehrsrecht geben“, sagt Pierre Sultana, politischer Referent der ARCHE NOAH. „Die verpflichtende behördliche Zulassung von Sorten muss einer Registrierung auf freiwilliger Basis weichen. Ohne diesen grundlegenden Richtungswechsel wird es keine echte Vielfalt in der Landwirtschaft geben.“

Heidemarie Porstner, Agrarexpertin bei GLOBAL 2000, analysiert: „Die verpflichtende Registrierung von Sorten wird mit dem Ziel der Transparenz auf dem Markt argumentiert. Der Katalog garantiert jedoch keinesfalls, dass eine gelistete Sorte auch tatsächlich auf dem Markt verfügbar ist. Genauso wenig finden die KonsumentInnen dort Informationen über die zu erwartende Entwicklung einer Sorte unter lokalen Bedingungen.“ Zudem können Informationen über die genetische Abstammung einer Sorte (Eltern) auf Wunsch des Züchters geheim gehalten werden. „Diese Regeln dienen den Konzernen. Es besteht kein öffentliches Interesse an der Beibehaltung des EU-Saatgutrechts in der bestehenden Form. Transparenz kann viel einfacher durch Etikettierung geschaffen werden“, so Porstner.

Weiters betonten die NGOs gegenüber den VertreterInnen der EU-Kommission, dass diese mit der vorgeschlagenen Saatgutverordnung klar das Subsidiaritätsprinzip verletzt. "Die EU-Kommission schießt mit ihrem Vorschlag vom 6. Mai klar über das Ziel hinaus. Das muss dringend repariert werden", betonen Sultana und Porstner. Ein Schritt in diese Richtung geschah indes in Wien: Der Bundesrat verabschiedete eine Subsidiaritätsrüge zur EU-Saatgutverordnung. Jetzt müssen noch der österreichische Nationalrat und acht weitere Parlamente in anderen EU-Mitgliedsstaaten folgen. Dann muss die EU-Kommission ihren Vorschlag überprüfen.

Auf www.freievielfalt.at kann man auch weiterhin seine Unterschrift gegen den geplanten Entwurf der EU abgeben.