Wien, 11. Oktober 2013: Der Entwurf der neuen EU-Saatgutverordnung erregt nun auch über die Grenzen der EU hinweg die Gemüter: Die indische Umweltschutz-Koryphäe und Trägerin des alternativen Nobelpreises, Vandana Shiva, hat sich diesbezüglich zu Wort gemeldet. Im Rahmen der Saatgut-Aktionstage reiste Vandana Shiva kürzlich nach Athen, um sich im Kampf gegen EU-Saatgutverordnung mit den Saatgutinitiativen in Europa zu solidarisieren. Vandana Shiva sagte: „Saatgut ist Gemeingut. Sie sind ein Geschenk der Natur und das Resultat jahrhundertelanger Arbeit von Bauern weltweit, die Saatgut selektiert, aufbewahrt und gezüchtet haben. Saatgut ist die Quelle des Lebens und das erste Element unserer Lebensmittelkette.“

Iga Niznik, Referentin bei der Arche Noah, traf Vandana Shiva und kann kann deren Worte nur bestätigen: „Saatgut ist Gemeingut – und dieses Gemeingut ist in Gefahr. Die europäische Gesetzgebung hat bereits in den vergangenen Jahren den Zugang zu Saatgut zunehmend eingeschränkt. Die nun geplante Saatgutverordnung, die sich rein an der industriellen Landwirtschaft orientiert, droht die Vielfalt in der Landwirtschaft weiter zu reduzieren.“

Der Verordnung zufolge dürfen grundsätzlich nur jene Saatgutsorten in der EU vermarktet werden, die in der industriellen Landwirtschaft zum Einsatz kommen. Sie müssen teure und komplizierte Tests bestehen, und ihr Anbau hängt von Chemikalien ab.

„Der Zugang zu Saatgutvielfalt für LandwirtInnen würde massiv eingeschränkt. Was mindestens ebenso bedenklich ist: Die Verordnung animiert große Konzerne wie Monsanto, Bayer, Pioneer und Syngenta dazu, geistige Eigentumsrechte auf Pflanzen durchzusetzen“, zeigt sich auch Heidemarie Porstner, Agrarsprecherin bei GLOBAL 2000, besorgt. „Rund drei Viertel unseres Essens weltweit kommen jedoch nicht von diesen Konzernen, sondern von kleinen Bauern. Der Kampf, diesen Bauern die Grundlage ihrer Arbeit zu retten, ist für uns alle relevant. Wir sind keine Nische“, ergänzt Niznik.

GLOBAL 2000 und die Arche Noah lehnen die geplante EU-Saatgutverordnung vehement ab – und mit ihnen mittlerweile über 260.000 Menschen aus ganz Europa, die die Petition auf www.freievielfalt.at unterzeichnet haben. „Immer noch kann man sich gegen die geplante Verordnung aussprechen, gemeinsam und mit internationaler Unterstützung können wir unser Ziel der kompletten Neufassung der Saatgutverordnung erreichen“, sagen Niznik und Porstner unisono.