GLOBAL 2000 präsentiert wissenschaftliche Belege und erhebt Umweltbeschwerde nach dem Umwelthaftungsgesetz

Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen und Studien aus den vergangenen Jahren zeigen, dass die in Europas Flüssen messbaren Schadstoffkonzentrationen bereits gravierende Auswirkungen auf die Artenvielfalt von Wasserlebewesen haben. Besonders die durch Pestizide ausgelösten Verunreinigungen haben starken Einfluss auf das ökologische Gleichgewicht des Wassers. Diese Studien widerlegen somit die Annahme, dass durch die Verdünnung der Chemikalien in großen Gewässern diese nicht so stark beeinträchtigt würden. Um das Ziel der Wasserrahmenrichtlinie einhalten zu können, Europas Flüsse bis 2015 in einen guten Zustand überzuführen, sind große Anstrengungen zur Reduktion dieser Schadstoffbelastung notwendig.

GLOBAL 2000

Dass die Bezirkshauptmannschaft Korneuburg stattdessen anordnet, pestizidkontaminiertes Grundwasser ungefiltert in die Donau zu pumpen, steht in massivem Widerspruch zu allen nationalen und europäischen Bemühungen des Gewässerschutzes, und verstößt gegen die elementarsten Grundsätze des Umweltschutzes. Noch dazu, wo die beiden eingeleiteten Pestizide, Clopyralid und Thiamethoxam, von der EU als “gefährlich” bzw. “sehr gefährlich für Wasserorganismen” eingestuft werden. Verwunderlich und völllig haltlos sind vor diesem Hintergrund die Aussagen des Leiters des Sanierungsteams, Prof. Dr. Werner Wruss, wonach eine Gefährdung der Donau “dezidiert ausgeschlossen werden”  könne, da das in die Donau eingeleitete Grundwasser ja “massiv verdünnt werde”. Helmut Burtscher, Umweltchemiker von GLOBAL 2000, betont: “Solche Aussagen sind nicht nur vom Standpunkt der Wissenschaftlichkeit unhaltbar, sie könnten sogar als Freibrief interpretiert werden, die Donau für die Entsorgung jeglichen Giftmülls zu nutzen, solange der dabei erzielte Verdünnungseffekt nur groß genug ist.” Ein Landwirt, der seine Pestizidabfälle in ein Gewässer entsorgt, muss - im Gegensatz zur BH Korneuburg - zumindest mit einer empfindlichen Geldstrafe rechnen.

GLOBAL 2000 fordert daher die BH mit Nachdruck auf, umgehend die Einleitung von kontaminiertem Grundwasser in die Donau zu stoppen und Filteranlagen vorzuschalten, welche die Einhaltung der Grenzwerte gewährleisten können. Burtscher erklärt: "An dieser Stelle möchten wir die BH nochmals an die verheerenden Folgen der mehr als eineinhalb Jahre praktizierten Einleitung von kontaminiertem Grundwasser in den Tresdorfer Graben erinnern, die zu einer nachhaltigen Pestizidbelastung des Tresdorfer Grabens, des Donaugrabens sowie eines privaten Badeteichs geführt hat."

Matthias Schabl von der Bürgerinitiative PRO REINES WASSER kann nicht verstehen, weshalb die BH die am Kwizda-Firmengelände bereits erfolgreich eingesetzten Filteranlagen nicht auch bei der Donau vorschaltet. Seine Forderung: “Nur um der Verursacherfirma Geld zu sparen, darf das kontaminierte Grundwasser nicht ungefiltert in die Donau geleitet werden!” Elisabeth Kerschbaum, Umweltstadträtin von Korneuburg, fügt hinzu: "Minister Berlakovich vertraut blind auf die unbelegte Aussage eines Amtssachverständigen und fragt nicht einmal nach den Mengen der eingebrachten Pestizide. Er ist verantwortlich für den Schutz der Donau und die Einhaltung von internationalen Verträgen, die in diesem Sinne abgeschlossen wurden. Die politische Verantwortung kann er aber nicht auf einen Amtssachverständigen abschieben!"

Die Einleitung der Pestizide in die Donau ist das bislang letzte Glied einer langen Kette von Versäumnissen und Fehlentscheidungen, die die Versuche der Behörden, die Korneuburger Grundwasserkontamination in den Griff zu kriegen, begleiteten. Vor diesem Hintergrund bringt GLOBAL 2000 nun eine Umweltbeschwerde nach dem Umwelthaftungsgesetz ein. Dieser Schritt wurde durch kürzlich geänderte gesetzliche Rahmenbedingungen ermöglicht. GLOBAL 2000 beschreitet als erste Umweltschutzorganisation in Österreich diesen Weg, um Parteienstatus zu erhalten und so konstruktiv auf den Fortgang der Sanierungsarbeiten einwirken zu können.

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