GLOBAL 2000 warnt: EU macht auf Klimakonferenz ein "unmoralisches Angebot"

(Durban, 28. November 2011) - Heute startet die Klimakonferenz in Durban, Südafrika. Ein Jahr vor dem Ende des Kyoto-Protokolls könnten hier wichtige Entscheidungen fallen. So steht insbesondere die Zukunft des Kyoto-Protokolls zur Diskussion: "Die EU ist zwar bereit, das Kyoto-Protokoll zu unterschreiben, aber nur, wenn auch eine Vielzahl an Schlupflöchern geschaffen wird. Das würde die ohnehin niedrigen Ziele vollends verwässern," erklärt Johannes Wahlmüller, Klimasprecher von GLOBAL 2000, in Durban. "Statt einer Diskussion um Schlupflöcher brauchen wir dringend angemessene Anstrengungen aller Staaten. Leider ist Führungsstärke seitens der Industrienationen nicht in Sicht," betont Wahlmüller. Stattdessen versucht man sich schon im Vorfeld, großzügige Bedingungen zu schaffen.

Konkret stehen folgende "Schlupflöcher" zur Diskussion:

Schaffung von "neuen Marktmechanismen": Über die Schaffung von neuen "Kohlenstoffmärkten" soll es möglich werden, noch mehr "CO2-Zertifikate" zuzukaufen, anstatt im Inland wirklichen Klimaschutz zu betreiben. "Wir stehen dem sehr kritisch gegenüber, damit werden nur neue Möglichkeiten geschaffen, Klimaschutz im Inland zu umgehen", erklärt Wahlmüller.

Kreative Waldbilanzierung: Ein Teil der Verhandlungen betrifft die Bilanzierung von Emissionen aus der Waldnutzung. Hier werden Methoden vorgeschlagen, die nicht die realen Emissionen abbilden und CO2-Emissionen von bis zu 450 Millionen Tonnen CO2 verstecken könnten. Österreich war leider eines der Länder, das diesen Ansatz vorantrieb und hat dafür vor zwei Jahren die Negativauszeichnung "fossil of the day" von hunderten NGOs kassiert. "CO-Emissionen in den Bilanzen zu verstecken hilft leider dem Klima gar nichts und ist daher abzulehnen", stellt Wahlmüller fest.

"Heiße Luft": In einigen Staaten vor allem in Osteuropa hat sich eine Menge "heißer Luft" angesammelt. Gemeint sind große Mengen an Überschusszertifikaten, die diese Staaten halten. Zertifikate in Höhe von bis zu 1,6 Milliarden Tonnen CO2 könnten die Ziele völlig verwässern. "Wir fordern Umweltminister Berlakovich auf, sich unmissverständlich dafür einzusetzen, dieses Schlupfloch zu schließen", so Wahlmüller.

Zusammengenommen passen in diese "Schlupflöcher" fast die gesamten bestehenden Zusagen der Industriestaaten. "Das bedeutet, dass die Industriestaaten - inklusive der EU - hier in Wahrheit wenig mehr als Nichts anbieten, dafür aber ihrerseits von den Entwicklungsländern rechtlich verbindliche Reduktionsziele fordern. Wie dieses Angebot aufgenommen wird ist absehbar, denn immerhin haben sich die Industrienationen schon in Bali 2007 dazu bereit erklärt, ein Nachfolgeabkommen für Kyoto zu unterzeichnen. Jetzt will man davon nichts mehr wissen oder stellt harte Bedingungen. Wir fordern Umweltminister Berlakovich deshalb auf, sich ohne wenn und aber für das Kyoto-Protokoll auszusprechen und auf EU-Ebene eine Erhöhung der Klimaziele zu unterstützen, damit gefährlicher Klimawandel auch wirklich vermieden werden kann", betont Johannes Wahlmüller abschließend.

 

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