Wien, 11.11.2013: Diese Woche sollen die Verhandlungen zum Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU in Brüssel in die zweite Runde gehen, nachdem das ursprünglich für Anfang Oktober geplante Treffen wegen des US-Shutdown verschoben werden musste. Das Abkommen, auch TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership), gilt als das größte Freihandelsabkommen in der Geschichte. Der Handel auf beiden Seiten des Atlantiks soll damit leichter gemacht werden. So genannte Handelshemmnisse sollen fallen. Dazu zählen auch Zulassungsverfahren für gentechnisch veränderte Organismen (GVOs) oder die Risikobewertung derselben. Diese werden von Konzernen in Europa als zu langwierig erachtet. Deshalb sollen die US-Standards Anwendung finden, was bedeuten würde, dass GVOs in Zukunft auch für Europa leichter zugelassen werden könnten. Heidemarie Porstner, Gentechniksprecherin bei GLOBAL 2000, erklärt: „Auch andere relevante Bereiche für KonsumentInnen auf beiden Seiten des Atlantiks stehen auf dem Spiel. Standards zum Umweltschutz könnten genauso verwässert werden wie Bereiche zur Lebensmittelsicherheit.“

Erst letzte Woche zeigte sich wieder der Einfluss der Konzerne auf den Bereich Gentechnik. Der Agrar-Konzern Pioneer hatte in einem Gerichtsverfahren Recht bekommen, in dem er Klage gegen die Europäische Kommission erhoben hatte, weil die Zulassungsprozesse für den Gentech-Mais 1507 zu lange dauern würden. Die Folge: Die Europäische Kommission musste handeln und hat sich in ihrer Sitzung am vergangenen Mittwoch nicht - wie sie es gekonnt hätte – gegen den GV-Mais ausgesprochen, sondern hat die Entscheidung an den Ministerrat weitergegeben.

Heidemarie Porstner betont: “Bereits jetzt sieht es danach aus, dass Konzerne auf beiden Seiten des Atlantiks massiv in dem neuen Freihandelsabkommen mitmischen wollen. Dass Zulassungsverfahren vereinfacht und Standards für Risikobewertungen heruntergefahren werden sollen, ist ein klares Indiz dafür.“