Wien, am 30. Oktober 2013 - Auf einem Grundstück an der alten Donau, das die Stadt Wien zur Verfügung stellt, wurden am Freitag, den 25. Oktober junge Bäumchen alter Obstsorten gepflanzt.

Zahlreiche prominente UnterstützerInnen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft haben sich bereit erklärt, eine Patenschaft für einen der Vielfaltsbäume zu übernehmen. Rote Sternrenette, Alexander Lucas, oder Pierre Corneille sind nicht etwa die Namen der UnterstützerInnen, sondern alte Obstbaumsorten, die in den vergangenen Jahrzehnten durch Hochzuchtpflanzen verdrängt wurden. Derzeit gefährdet die EU-Saatgut- und Pflanzgut-Verordnung die Vielfalt. Die BotschafterInnen möchten mit der Baumpflanzaktion ein Zeichen setzen, dass diese Verordnung so nicht angenommen werden darf.

Heidemarie Porstner, Agrarsprecherin von GLOBAL 2000, erklärt: „Die Verordnung in ihrem derzeitigen Entwurf stärkt weder die Diversität noch die vielen klein- bis mittelständischen landwirtschaftlichen Betriebe Europas. Wir wollen uns von der Industrie nicht pflanzen lassen, sondern pflanzen alte Baumsorten.“ Iga Niznik, Referentin bei der Arche Noah, fügt an: „Dass wir diese Gelegenheit haben, verdanken wir Umweltstadträtin Ulli Sima.“

Umweltstadträtin Ulli Sima (SPÖ) stellt der Kampagne Freiheit für die Vielfalt ein Grundstück an der Alten Donau zur Verfügung: „Ich freue mich über diese breite Allianz im Sinne der alten Obstsorten – als Stadt Wien ist uns die biologische Artenvielfalt ein zentrales Anliegen, wir fördern diese seit vielen Jahren und sind natürlich gegen die geplante EU-Verordnung, weil sie eine Gefahr für die Vielfalt ist. Vor diesem Hintergrund unterstütze ich die Initiative von GLOBAL 2000 und der Arche Noah mit der Bereitstellung einer Fläche für alte Sorten sehr gern.“

Gepflanzt werden Apfel-, Birnen-, Zwetschken-, Marillen- und Kirschbäumchen alter Sorten. Das hat starken Symbolcharakter, denn wenn die neue geplante EU-Saat- und Pflanzgut-Verordnung so durchgeht, wie sie im Moment auf dem Tisch der EntscheidungsträgerInnen liegt, dann wird die freie Weitergabe auch von Pflanzgut von alten und seltenen Obstsorten bald sehr schwierig. Strenge bürokratische Auflagen sollen künftig die Zulassung der Sorten unmöglich machen und die wertvollen Raritäten laufen Gefahr, bald ganz zu verschwinden.

Damit das nicht passiert, haben GLOBAL 2000 und die ARCHE NOAH im April dieses Jahres eine breite Protestbewegung gestartet. Schon von Beginn an gab es auch Proteste seitens der Handelsketten. Frank Hensel, Vorstandsvorsitzender der REWE International AG, ist ebenfalls ein Baumpate: „Wir können gemeinsam etwas bewirken – für den Erhalt der biologischen Artenvielfalt und des kulinarischen Erbes im Bewusstsein der Menschen. Wir haben uns der nachhaltigen Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt sowie alter regionaler Sorten mit ganzem Herzen verschrieben und wollen diese Angebote weiter sichern.“

Die Katholische Kirche ist vertreten durch Dompfarrer Toni Faber. Viele weitere prominente UnterstützerInnen halfen beim Pflanzen der Bäume an der alten Donau mit, unter ihnen Schauspieler Martin Oberhauser und Moderatorin Nora Frey. Auch die Spitzengastronomie kritisiert die Verordnung aufs Schärfste. Heinz Reitbauer, Chef des preisgekrönten „Steirereck“, übernahm in ihrem Namen die Patenschaft für einen Baum.

Die am stärksten von der Verordnung betroffenen Vielfalts-LandwirtInnen waren ebenfalls vertreten: Erich Stekovics, der Paradeiser-Kaiser aus dem Burgenland und die Vielfaltsgärtnerin Daniela Auer standen gemeinsam Pate für ein kleines Bäumchen.

Der Filmemacher Werner Brix hat kürzlich mit seinem Team der Freiheit für die Vielfalt ein Kurz-Video geschenkt (demnächst online). Er übernahm eine Baumpatenschaft im Namen seiner Filmcrew.

Iga Niznik betont: „Die Unterstützung wird immer breiter, damit die Vielfalt auch weiter für alle frei zugänglich bleibt!" Und Heidemarie Porster ergänzt: „Die Bäume werden in zwei bis drei Jahren Früchte tragen. Im Sinne dieser Freiheit für die Vielfalt stehen Früchte der alten Obstsorten dann allen Wienerinnen und Wienern frei zur Verfügung.“