Nein zu Glyphosat! Foto: iStockPhoto/fotokostic

In einem offenen Brief fordert die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 gemeinsam mit 38 weiteren europäischen Organisationen alle 28 EU-Mitgliedsstaaten dazu auf, am 18. Mai im “Ständigen Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Futtermittel“ gegen eine Wiederzulassung von Glyphosat zu stimmen.

Die EU-Kommission empfiehlt trotz WHO-Einstufung von Glyphosat als 'wahrscheinlich beim Menschen krebserregend' die Verlängerung der Zulassung um weitere neun Jahre.

"Unser Brief richtet sich an all jene Behördenvertreter, die stellvertretend für ihr Land in Brüssel über Zulassung oder Verbot von Glyphosat abstimmen werden, ebenso wie an die verantwortlichen Minister in den Mitgliedsstaaten“, sagt Helmut Burtscher, Umweltchemiker von GLOBAL 2000: "Ziel ist es, die Entscheidungsträger noch vor der Abstimmung deutlich auf die zu erwartenden gesundheitlichen und möglichen rechtlichen Konsequenzen im Falle einer Wiederzulassung von Glyphosat hinzuweisen."

Unterstützung finden die Umweltorganisationen durch namhafte Wissenschaftler: Der deutsche Epidemiologe, Professor Eberhard Greiser von der Universität Bremen, präsentiert auf der Pressekonferenz in Wien eine "Meta-Analyse" über den Zusammenhang zwischen Glyphosat-Exposition und Erkrankungshäufigkeit beim 'Non-Hodgkin-Lymphom': „Eine Zusammenfassung aller bisher veröffentlichten epidemiologischen Studien im Rahmen einer sogenannten Meta-Analyse zeigt ein um 45% erhöhtes Erkrankungsrisiko für solche Personen, die mit Glyphosat beruflich zu tun hatten - im Vergleich zu Menschen ohne Glyphosat-Kontakt “, fasst Greiser das Ergebnis seiner Analyse zusammen: „Über alle Studien gerechnet ergibt das eine signifikante Erhöhung des Risikos um 45 Prozent. Im Falle einer Zulassungserneuerung von Glyphosat wäre daher in der EU mit zigtausenden Neuerkrankungen an diesem bösartigen Lymphdrüsenkrebs zu rechnen, der in rund 50% der Fälle einen tödlichen Verlauf nimmt.“

Der Wiener Krebsforscher, Professor Siegfried Knasmüller, untersuchte mit seiner Arbeitsgruppe Glyphosat im Hinblick auf Schädigung der Erbsubstanz in menschlichen Zellen und fand bereits mit sehr niedrigen Konzentrationen Effekte. Diese Wirkungen sind ein Hinweis auf krebserregende Eigenschaften. Auch in mehreren Humanstudien wurden derartige Schäden bei exponierten Arbeitern gefundenen. Prof. Knasmüller hält die Einstufung der Substanz durch die WHO für wissenschaftlich fundiert und stellt fest „Es ist für mich rätselhaft, wie europäische Zulassungsbehörden dazu kommen konnten, Glyphosat als 'wahrscheinlich nicht krebserregend' zu bewerten. Wissenschaftliche Belege für erbgutschädigende Wirkungen wurden sowohl in Untersuchungen am Menschen als auch in Experimenten mit Zellkulturen gefunden. Die kritische Auswertung der verfügbaren Studien an der Maus nach derzeit geltenden Kriterien zeigt darüber hinaus eine signifikante Zunahme von Krebserkrankungen durch Glyphosat.“

Die Bestimmungen der EU sehen vor, dass Pestizide nur dann zuzulassen sind, wenn die Industrie den Nachweis erbringt, dass Stoffe oder Produkte, die erzeugt oder in Verkehr gebracht werden, keine schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch oder Tier oder keine unannehmbaren Auswirkungen auf die Umwelt haben.

Klagen gegen politische Institutionen, Behörden und Mitglieder der Europäischen Union durch multinationale Konzerne beeinflussen zunehmend politische Entscheidungen in der EU. Die Umweltorganisationen wollen mit ihrem Brief darauf aufmerksam machen, dass auch die rund 500 Millionen EuropäerInnen ihr Recht auf den Schutz vor bekanntermaßen krebserregenden Pestiziden mit rechtlichen Mitteln einfordern können.

„Sollte Glyphosat wieder zugelassen werden, wird dies schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier sowie unannehmbare Auswirkungen auf die Umwelt haben“; sagt Rechtsanwalt Dr. Josef Unterweger: „Die Opfer, deren Angehörige und ihre Hinterbliebenen werden Schadenersatz fordern – von der Pestizidindustrie, von den Zulassungsbehörden, von den Politikern und von jenen, die Glyphosat mit Kochsalz verglichen und einem sorglosen Umgang mit dem Pestizid Vorschub geleistet haben.“

GLOBAL 2000 fordert von Landwirtschaftsminster Rupprechter ein klares österreichisches Nein zu Glyphosat! Dies fordern auch die Ärzte für eine gesunde Umwelt, der Umweltausschuss des Landes Kärnten, der burgenländische Landtag, sowie alle neun österreichischen Umweltanwaltschaften, und 38 weitere europäische Organisationen.

 

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