GLOBAL 2000-Fleischatlas zeigt auf: Fleischkonsum in Österreich hat gravierende internationale Auswirkungen

Wien, 22.3.2013: Die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 macht deutlich, dass der hohe Fleischkonsum mit gravierenden Umweltschäden, Gesundheitsgefahren, Menschenrechtsverletzungen, Tierleid und Konsumententäuschung einhergeht. Der aktuelle Report „Zurück zum Sonntagsbraten“ führt diese Probleme vor Augen und beleuchtet auch die „Fleischskandale“ der vergangenen Jahre. „Wir essen viel zu viel Fleisch, das bestätigen sowohl Ernährungsexperten als auch Klimaforscher. Die Fleischproduktion trägt zu einem erheblichen Teil zum Klimawandel bei und auch der Wasserverbrauch bei der Produktion ist enorm“, sagt Heidemarie Porstner, Landwirtschaftssprecherin bei GLOBAL 2000. Im Jahr 2011 wurden in Österreich insgesamt 927.500 Tonnen Fleisch produziert. „Die ÖsterreicherInnen verzehren rund 65 kg pro Kopf und Jahr, wobei Fleisch in Fertigprodukten gar nicht mitgerechnet ist. Die meisten ÖsterreicherInnen essen also pro Woche etwa 1,25 kg Fleisch, und das alleine von in Österreich geschlachteten Tieren“, rechnet Porstner vor. Von ErnährungsexpertInnen und ÄrtInnen werden maximal 300 - 600 Gramm empfohlen.

Die Massen-Fleischproduktion erfordert riesige Mengen an Soja. „Der riesige Fleischhunger Europas und anderer Industrieregionen der Welt hat in den Länder des Südens zu einer Änderung der Landnutzung bzw. zu Landraub geführt, wodurch die Menschen vor Ort die Flächen für den Anbau von Lebensmitteln für ihren täglichen Bedarf verloren haben. „Die EU importiert rund 20 Millionen Hektar Land aus Lateinamerika. Während Schweine, Rinder, Hühner und Puten in europäischen Ställen immer fetter werden, sitzen Familien in Argentinien oder Brasilien vor leeren Tellern“, fasst Porstner die alarmierende Situation zusammen. Für den Anbau von Futtermitteln wurde bereits ein Fünftel der tropischen Regenwälder gerodet. „Auch österreichische Rinder, Schweine und Hühner fressen indirekt den für das Weltklima notwendigen Regenwald“, kritisiert Porstner. Österreichs Tiere fressen jährlich rund 570.000 Tonnen Sojaschrot und 100.000 Tonnen Sojabohnen. Ein beträchtlicher Anteil wird aus Argentinien und Brasilien importiert, wo große Regenwaldflächen dem Sojaanbau weichen müssen. „90 Prozent des importierten Sojas ist zudem gentechnisch verändert“, erklärt Porstner.

„Billiges“ Fleisch kommt teuer

Das vermeintlich billige Fleisch kostet die ÖsterreicherInnen im Endeffekt aber wesentlich mehr, als es auf den ersten Blick scheint. „Durch die intensive Tierhaltung entstehen erhebliche Umweltschäden. Böden werden überdüngt, der Nitratgehalt im Grundwasser steigt. Aufwändige Sanierungsmaßnahmen von Wasser und Böden werden notwendig. Das wird alles aus Steuergeldern bezahlt. Gleichzeitig steckt die EU jährlich 240 Millionen Euro direkt in die Fleisch verarbeitende Industrie und schafft weitere Anreize für Massentierhaltung“, kritisiert Porstner. Der Weg aus diesem Desaster lässt sich mit der Forderung „Zurück zum Sonntagsbraten“ beschreiben, damit Fleisch etwas Besonderes darstellt und nicht minderwertige Massenware. „Wer nicht auf Fleisch verzichtet, sollte es lieber seltener, aber dafür ein Stück Qualität aus biologischer Tierzucht genießen“, rät Porstner.